Berlin : Living on Video: Der neue Mieter am Osthafen zieht ein

In der kommenden Woche übernimmt der Musiksender MTV den Speicher am Spreeufer in Friedrichshain. Horst Schuberth, der Geschäftsführer der Behala, hat den Umbau in kürzester Zeit organisiert

Matthias Oloew

Manchmal wacht er mitten in der Nacht auf, schaltet das Licht an und spricht in sein Diktiergerät. Dann hat Horst Schuberth wieder einen wichtigen Einfall gehabt. „Das muss ich dann sofort loswerden, sonst ist das am nächsten Morgen vergessen“, sagt der Geschäftsführer der Behala. Es sind Einfälle, die das derzeit wichtigste Bauprojekt der Berliner Hafengesellschaft betreffen, den Umbau eines Speichers am Osthafen in Friedrichshain für MTV. Der Bau ist nicht nur für die Behala wichtig. Sondern auch für den Senat. Denn der Umzug des Musiksenders von München nach Berlin soll ein Signal für den wirtschaftspolitischen Erfolg von Rot-Rot darstellen. „Ich stehe beim Senat im Wort", sagt Schuberth, „dass das hier alles klappt.“ Und dann schaut er stolz auf die frisch gereinigten Fassaden des 90 Jahre alten Speichers hoch. Das denkmalgeschützte Haus hat die Behala als Bauherrin und Eigentümerin für 12 Millionen Euro saniert und umgebaut. Am 22. April soll die offizielle Übergabe an MTV erfolgen, damit der Sendebetrieb wie geplant am 1. Mai losgehen kann.

Auf dem Diktiergerät neben Schuberths Bett finden sich immer wieder Ideen, wie man den Bauverlauf noch besser koordinieren könnte. Diese Koordination war die eigentliche Leistung. Insgesamt hatte die Behala nur siebeneinhalb Monate Zeit, um das Projekt zu stemmen. Horst Schuberth war sich sicher, dass das zu machen ist, denn der Mann ist vom Fach. Als gelernter Maurer und studierter Bauingenieur kennt er sich aus in der Sprache der Handwerker und weiß, was notwendig ist und was überflüssig.

Schließlich hatten Schuberth und die Behala Recht behalten, doch die Zeit drängte. Und so war der Geschäftsführer der Hafengesellschaft fast täglich auf dem Bau, um zu sehen, ob alles klappt. Im Speicher sind zwei zusätzliche Etagen eingezogen worden, auf einer großen Galerie, die sich fast durch das gesamte Gebäude zieht, sitzen die meisten der rund 130 MTV-Mitarbeiter direkt unterm Dach. Die Sendeleitung residiert ebenfalls dort oben. Die gläsernen Gauben ihrer Büros ermöglichen einen wunderbaren Blick über die Spree und die Oberbaumbrücke.

Die größte technische Herausforderung war die Statik des Speichers. Der Koloss steht auf 700 Eichenpfählen in Schlamm und Moorwasser. Die zwei Studios, die jetzt an den jeweiligen Enden des Gebäudes untergebracht sind, konnten auf diesen Pfählen nicht ruhen. Also musste eine eigenen Statik für die Studios geschaffen werden, die das Gewicht nicht auf die Pfähle, sondern über die Außenmauern des Speichers ableitet. Die Studios, 300 und 450 Quadratmeter groß, sind nun eigene Häuser im Haus. Ihre Böden und Wände sind abgelöst vom restlichen Bauwerk und damit spannungs- und schwingungsfrei.

Schick sieht der sanierte Bau aus. „Der Charakter der Industriearchitektur sollte unbedingt erhalten bleiben“, sagt Schuberth. Die genietete Stahlkonstruktion des Speichers ist überall zu sehen, und neue Metallelemente, wie das Treppenhaus oder der Fahrstuhlschacht, sind nicht gestrichen, sondern nur gewachst. Derzeit zimmern Tischler am Empfangstresen neben dem Haupteingang, während die Pflasterer die neue Sonnenterrasse für das – allerdings nicht öffentliche – MTV-Café fertig haben.

Der Behala-Geschäftsführer lächelt. „Ohne MTV hätten wir den Standort hier nicht so gut entwickeln können.“ Das ebenfalls denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude des Hafens ist so gut wie verkauft, für die anderen Speicher gibt es nach seinen Angaben Interessenten. „Auch die Freifläche zwischen MTV und Universal wird in Zukunft bebaut“, sagt er. Verhandlungen für das 25 000 Quadratmeter große Areal gebe es schon. Horst Schuberth ist zufrieden. Für fünf Jahre hat MTV den Mietvertrag unterschrieben, fünf weitere Jahre als Option auf eine Verlängerung. „Wir gehen stark davon aus, das MTV auch die zweiten fünf Jahre nutzen wird“, sagt er. Wenn alles so kommt, wird er wieder durchschlafen und das Diktiergerät beiseite legen können.

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