Berlin : Lkw fahren im Wohngebiet statt auf der Autobahn

Dichter Verkehr auf der Silbersteinstraße, wo der Feinstaub-Grenzwert bereits erreicht ist. Grüne fordern Maut für gesamte Stadt

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Für Anwohner ist es keine Überraschung, dass die Silbersteinstraße in Neukölln als erster Straßenzug in Berlin den FeinstaubGrenzwert erreicht hat. Er darf nur an 35 Tagen im Jahr überschritten werden. Dieser Wert wurde aber an der Silbersteinstraße bereits jetzt erreicht. Nach wie vor sind dort zahlreiche Lastwagen unterwegs, obwohl nur wenige Meter entfernt die Stadtautobahn entlangführt. Die Grünen sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderten deshalb gestern, die Maut für Lastwagen auf die gesamte Stadt auszudehnen, um Ausweichrouten von der Mautpflicht auf der Autobahn zu verhindern.

Wer den Verkehr auf der Silbersteinstraße nur eine Stunde lang beobachtet, stellt schnell fest, dass hier fast im Minuten-Takt schwere Lastwagen fahren – meist mit Berliner Kennzeichen. An der nur wenige hundert Meter entfernten Autobahnauf- und -abfahrt ist der Lastwagen-Verkehr dagegen erheblich geringer. Und diejenigen, die auf die Autobahn fahren oder sie verlassen, kommen in der Regel von auswärts.

Für Claudia Hämmerling, die Verkehrsexpertin der Grünen, ist dies ein klares Zeichen dafür, dass ortskundige Lastwagenfahrer der Maut auf der Autobahn ausweichen. Dies vermutet auch Martin Schlegel vom BUND. Die Polizei sieht einen solchen Trend dagegen nicht, und auch die Fuhrgewerbe-Innung spricht höchstens von Einzelfällen.

Die Stadtentwicklungsverwaltung ist noch dabei, den Verkehr zu zählen. Stadtweit sollen die Ergebnisse im Herbst vorliegen, sagte die Sprecherin der Verwaltung, Manuela Damianakis. Sollte sich dabei herausstellen, dass mehr Lastwagen als vor der Einführung der Maut auf der Autobahn zu Jahresbeginn nun Stadtstraßen nutzten, werde das Bundesverkehrsministerium, wie bereits angekündigt, zumindest auch Ausweichrouten voraussichtlich mautpflichtig machen.

An der Silbersteinstraße lässt die Verwaltung den Verkehr bis Montag zählen. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) will dadurch auch prüfen, ob das dort gültige Lkw-Nachtfahrverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr eingehalten wird. Zusätzlich ist auf der Silbersteinstraße Tempo 30 angeordnet. „Wir prüfen jetzt, ob der Verkehr dort auf die Stadtautobahn gelenkt werden kann, ohne angrenzende Straßen zu belasten“, sagte Junge-Reyer gestern. Geringere Feinstaubwerte würden auch durch Tempo-30-Zonen nicht erreicht.Das hätten Messungen in der Beusselstraße ergeben. Generelle Fahrverbote oder Straßensperrungen lehnt die Senatorin ab.

Dass die Silbersteinstraße in der aktuellen Liste des Umweltbundesamtes (UBA) zur Feinstaubbelastung bis gestern fehlte, war eine Panne. Feinstaub werde an dieser Straße erst seit Jahresanfang offiziell gemessen, so Damianakis. Das Umweltbundesamt habe sein Programm darauf nicht sofort umgestellt. Dort lag auch gestern weiter die Frankfurter Allee in Friedrichshain mit 30 Tagesüberschreitungen des Grenzwertes an der Spitze der Berliner Straßen.

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