Berlin : Lkw prallt auf Reisebus: Zwei Menschen getötet

Schwerer Unfall auf dem Berliner Ring. Schüler aus Polen hatten Glück im Unglück – sie waren angeschnallt.

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Zusammenstoß. Die Fahrerkabine des Lastzuges, der auf den Reisebus aufgefahren war, wurde beim Aufprall zusammengedrückt. Der Bus rutschte in die Leitplanke. Foto: dapd/Christian Griebel
Zusammenstoß. Die Fahrerkabine des Lastzuges, der auf den Reisebus aufgefahren war, wurde beim Aufprall zusammengedrückt. Der Bus...Foto: dapd

Michendorf - Zwei Menschen sind bei einem Unfall mit einem Reisebus und mehreren Lastwagen auf dem südlichen Berliner Ring A 10 bei Michendorf (Landkreis Potsdam-Mittelmark) ums Leben gekommen. Zudem gab es mehrere Verletzte bei dem Unglück in der Nacht zu Donnerstag. Bei den Toten handelt es sich um einen polnischen Lastwagenfahrer und seinen Beifahrer im Alter von 45 und 58 Jahren. Schwer verletzt wurde der 23-jährige Fahrer des Reisebusses, der mit 54 Schülern und vier Lehrern eines Gymnasiums aus dem polnischen Posen (Poznan) sowie einem Reiseleiter auf dem Weg zu einem einwöchigen Aufenthalt in London war.

Das Unglück ereignete sich um 0.25 Uhr kurz hinter der Autobahnraststätte Michendorf. Der polnische Lastwagen fuhr nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei auf den verkehrsbedingt bremsenden Bus auf. Für den Mann am Steuer und seinen Beifahrer, der in der Schlafkabine lag, kam jede Hilfe zu spät. Die beiden eingeklemmten Leichen konnten erst nach mehreren Stunden geborgen werden.

Nach dem Aufprall war der Bus zunächst in die Leitplanke und dann gegen einen weiteren Lastzug geschleudert worden. Dieser Laster kollidierte dann noch mit einem dritten Lastzug. Dabei wurde auch der Busfahrer schwer verletzt – jedoch nicht lebensgeefährlich. Ein weiterer Lkw-Fahrer aus Berlin erlitt Kopfverletzungen und musste ebenfalls ins Krankenhaus gebracht werden.

Glück im Unglück hatten die 54 meist 15-jährigen Schüler und ihre Begleiter. 17 von ihnen wurden leicht verletzt, 14 wurden zur Untersuchung ins Potsdamer Klinikum „Ernst von Bergmann“ gebracht. Drei Schüler blieben in stationärer Behandlung, sollen jedoch in den nächsten Tagen entlassen werden.

Als sich der Unfall ereignete, schliefen die meisten Jugendlichen, einige sahen sich noch einen Film an. Alle waren in dem modernen Reisebus angeschnallt. „Es war wie eine Explosion, danach breitete sich Rauch im Bus aus“, berichtete ein Schüler. „Alle waren sehr diszipliniert und verließen den Bus, Panik gab es nicht“, sagte eine Lehrerin.

Als einer der ersten war der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes Potsdam-Mittelmark, Matthias Klebe, am Unfallort. „Die Jugendlichen waren bereits außerhalb des Busses, wir haben dann veranlasst, dass sie sich am Rande der Fahrbahn sammeln. Dass die Jugendlichen und ihre Lehrer angeschnallt waren, hat vielen von ihnen wahrscheinlich das Leben gerettet“, berichtete er. Dass die Insassen des aufgefahrenen Lkw nicht mehr zu retten waren, sei bei der ersten Sichtung schnell klar geworden. Auch der Busfahrer war in seinem Fahrzeug eingeklemmt, wurde von Feuerwehrleuten betreut und aus den Trümmern befreit.

Schüler und Lehrer wurden nach dem Unfall schnell zur nahe gelegenen Raststätte Michendorf geführt, dort waren Seelsorger, es gab Decken und Tee. Gegen 2 Uhr brachte ein Ersatzbus die unverletzten Schüler und Lehrer zum Feuerwehrtechnischen Zentrum des Landkreises in Beelitz-Heilstätten. Dort ist man speziell auf die Versorgung von Betroffenen nach großen Unfällen vorbereitet, es stehen dort Liegen und Verpflegung bereit. Am Vormittag löste sich langsam die große Anspannung bei den Jugendlichen, nachdem sie erfuhren, dass keiner ihrer Mitschüler schwer verletzt wurde. Noch am Donnerstag sollten sie die Rückreise nach Posen antreten. „Wir möchten allen Einsatzkräften herzlich danken. Nur wenige Minuten nach dem Unfall waren die ersten Hilfskräfte vor Ort, wir wurden sehr gut betreut“, sagte Schuldirektorin Beata Celczynska-Pietka.

Für die Dauer der Aufräumarbeiten war die Fahrbahn in Richtung Hannover bis zum Donnerstagnachmittag gesperrt. Der Verkehr wurde über das Gelände der Raststätte Michendorf umgeleitet. In Richtung Frankfurt (Oder) waren am Morgen bereits zwei Fahrspuren wieder freigegeben. Ein unabhängiger Gutachter war am Unfallort, um die Unglücksstelle auf Spuren zu untersuchen.

Als Vertreter der brandenburgischen Landesregierung sprach Europastaatssekretär Henning Heidemanns den Angehörigen der beiden Toten sein Mitgefühl aus. Bei einem Besuch des Feuerwehrtechnischen Zentrums zeigte er sich zugleich erleichtert über den „glimpflichen Verlauf“ des Unfalls für die polnischen Schulkinder und ihre Begleiter. Dazu habe auch der moderne Sicherheitsstandard des Busses beigetragen.

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