Löwenfütterung im Zoo : ,,In der Natur geht's noch radikaler zu"

Was fressen die Löwen im Zoologischen Garten? Kann es sein, dass auch in Berlin eine getötete Giraffe wie in Kopenhagen an die Löwen verfüttert wird? Ein Interview mit dem Raubkatzen-Experten des Zoos, Heiner Klös.

von
pFoto:da

Das Schicksal von Marius löste weltweit Empörung aus: Der junge Giraffenbulle wurde Anfang Februar im Kopenhagener Zoo getötet, vor Publikum zerlegt und den Löwen verfüttert – obwohl er gesund war. Tierschützer rügten das als „unnötige und brutale Inszenierung“. Der Zoo konterte, in freier Natur sei es nicht anders, Wildtiere dürften nicht verniedlicht werden. Man habe Marius getötet, um Inzucht zu vermeiden.

Was bekommen die Berliner Löwen zu fressen? Christoph Stollowsky sprach darüber mit dem Kurator für Raubkatzen des Zoologischen Gartens Berlin, Heiner Klös.

 

Herr Klös, verfüttern sie auch ab und zu Zootiere an ihre Löwen oder Tiger?

Vor ein paar Jahren haben wir das noch gemacht, inzwischen nicht mehr. Es waren Zootiere, die wir töten mussten, beispielsweise Schafe oder Ziegen, die sich ein Bein gebrochen hatten. Wir haben sie teils zerlegt und dann unseren Löwen und anderen Raubtieren gegeben. Das bekam denen buchstäblich gut. Sie fressen ja in der Freiheit nicht nur das schiere Fleisch, sondern auch den Dick- und Dünndarm. Diese Innereien sind bei Antilopen und anderen vegetarisch lebenden Beutetieren mit pflanzlicher Kost gefüllt. So nehmen die Löwen wichtige Vitamine und Mineralien auf, die im Fleisch nicht enthalten sind. Wir haben das früher häufiger gemacht. Heute aber eher relativ selten.


Warum?

Weil es Proteste gab. Die Kritiker machten eine ethische Frage daraus. Es störte sie, dass unsere Löwen auch mal ein anderes Zootier fressen dürfen. Obwohl es in der Natur ja noch viel radikaler zugeht. Da bleibt von einer Beute rein gar nichts übrig. Nach den Löwen kommen die Hyänen und dann die Geier.

Raubtier-Experte und Zookurator Heiner Klös
Raubtier-Experte und Zookurator Heiner KlösFoto: Kitty Kleist-Heinrich

 

Gibt’s jetzt bei den Berliner Löwen Vitamine und Mineralien aus der Dose?

Klar, wir streuen die Zusatzstoffe aufs Fleisch

 
Wieviel bekommt ein Löwe pro Tag zu fressen?

 So ein Tier verdrückt täglich etwa 8 Kilo Fleisch. Wir verfüttern an die Löwen und andere Raubkatzen nur Rindfleisch, auch mal Ziege oder Kaninchen. Schweinefleisch nehmen wir nicht, da ist das Risiko besonders hoch, dass es im rohen Zustand Krankheiten überträgt. Fleisch vom Schwein bekommen bei uns nur die Raubvögel.

 

Vier Löwen leben im Zoo, da heißt: 32 Kilo Fleisch täglich. Und die Tiger, Leoparden oder Hyänen sind auch hungrig. Ihre Raubtiere verschlingen zusammen eine Menge Geld.

Wir kaufen das Fleisch ja nicht im KaDeWe ein. Es kommt von der Freibank, also den so genannten Isolierschlachtbetrieben. Dort werden Notschlachtungen durchgeführt, zum Beispiel nach Unfällen oder bei Krankheiten.
Es ist günstiges Fleisch zweiter Güte, gilt aber nicht als gesundheitsschädlich. Sie sollten auch bedenken, dass ein Löwe nicht wie ein Hund oder ein Katze jeden Tag gefüttert wird.

 

Wieso?

In der Freiheit läuft ihm ja auch nicht jeden Tag eine Antilope oder Giraffe vors Maul. Schlägt er eine Beute, haut er sich die Plautze voll und hängt dann erstmal eine ganze Weile schlaff ab.
Das ist seine Verdauungspause, da hat er keine Lust zum Jagen. Verspürt der Löwe irgendwann wieder Hunger, zieht er erneut los.

 

Wie füttert man einen Löwen?

Da gibt es strenge Sicherheitsbestimmungen. Das Fleisch wird durch eine Futterklappe ins Gehege geschoben. Es sind große Stücke. Die können unsere Löwen abschlecken und mit den Zähnen langsam abraspeln und zerlegen wie ein Beutetier auf der Savanne. Kleine Fleischstücke zum herunter schlingen, so wie Pellets– das wäre nichts für unsere Raubkatzen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben