Berlin : Löwitsch vor Gericht: Der Schauspieler sieht sich als Opfer

Kerstin Gehrke

Seine Stimmung schlug schnell um. Es genügten ein paar kritische Fragen der Journalisten, und der zunächst ganz locker wirkende Klaus Löwitsch blickte grimmig in die Kameras. Eine "reine Intrige" sei das Verfahren gegen ihn, empörte sich der Schauspieler gestern vor Beginn des zweiten Verhandlungstages vor dem Amtsgericht Tiergarten. Für ihn stelle sich die Frage der Schuld gar nicht, erklärte Löwitsch. Der Verteidiger bremste seinen Mandanten und schob den Mann, der im Fernsehen die harten Kerle spielt, in den Gerichtssaal.

Der 65-jährige Löwitsch bestritt erneut den Vorwurf der sexuellen Nötigung und Körperverletzung. Es sei "einfach abwegig", dass er, der in der fraglichen Nacht etwa "drei Promille intus" hatte, nach einer halben Stunde Kneipenschlaf einer Frau nachgestiegen sein soll. Noch dazu einer, "die mir die ganze Zeit nicht gefallen hat". Energisch kamen die Worte des Angeklagten, der im seriösen grauen Zweireiher im Gericht saß.

Die Frau, für die er sich gar nicht interessiert haben will, ist die Witwe eines DDR-Schauspielers. Löwitsch soll sie im Februar vergangenen Jahres nach einem Besuch in der Künstlerkneipe "Emil" in Mitte angefallen haben. Laut Anklage zog er die 38-Jährige von hinten an den Haaren, nahm sie in eine Art Würgegriff und schlug ihr dreimal ins Gesicht. Mit den Worten "Ihr Ostbräute wollt und braucht das" soll er ihr dann zwischen die Beine gefasst haben.

Erst am dritten Verhandlungstag werden wichtige Zeugen kommen. Regisseur Friedo Solter beispielsweise, der in jener Nacht mit Löwitsch zusammen in der Kneipe saß. Derweil machen sich die Prozessbeteiligten gegenseitige Vorwürfe. Oberstaatsanwältin Monika Kienbaum sprach die Vermutung aus, Verteidiger und Angeklagter versuchten, über die Medien Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens zu nehmen. Die Wahrheitsfindung dürfe keinen Schaden nehmen, warnte sie. Die Angegriffenen konterten. Es sei vielmehr die Nebenklage, die für negative Berichte sorge.

Löwitsch jedenfalls sieht sich als Opfer. Er vertraue auf den Rechtsstaat, sagte er gestern im Gerichtsflur. Was ihn beunruhige, sei "die Rufmordkampagne, gegen die ich ohnmächtig bin". Aber er sei ein Mensch, "der versucht, konstruktiv zu denken". Nach seinem zweiten Auftritt vor Gericht stürmte er förmlich aus dem Gerichtssaal. Ganz in der Art des hartgesottenen Privatdetektivs Peter Strohm, den Löwitsch jahrelang gespielt und der ihm den Ruf als "Macho der Nation" eingebracht hat.

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