Berlin : Lokal im Bahnhof Griebnitzsee: Satt für wenig Geld im historischen Bahnhof

Claus-Dieter Steyer

Die kurze Debatte zwischen Berliner und Potsdamer Kollegen über eine geeignete Kneipe zum Plausch nach Feierabend endete mit einem Kompromiss. Nicht das Zentrum einer der beiden Städte wurde gewählt, sondern ein Platz genau dazwischen: Griebnitzsee. Das Lokal im Bahnhof dieses geschichtsträchtigen Ortes stellte alle zufrieden. Denn es bietet eine recht rustikale Ausstattung mit erstaunlich vielen Ecken zum gemütlichen Sitzen. Manchmal kommt zwar die Musik etwas laut aus den Laustsprechern, aber das liegt wohl an dem vorwiegend jungen Publikum und an der nicht viel älteren Bedienung. Die Potsdamer Uni liegt schließlich nur einen Steinwurf entfernt.

Auf den alten Holzbänken, die an alte S-Bahn-Wagen oder große Wartehallen erinnern, lässt es sich in einer Gesprächspause vortrefflich über das Schicksal gerade dieses Bahnhofs nachdenken. Was wird sich in diesem Lokal in den vergangenen 70 Jahren schon alles abgespielt haben? 1931 als Station "Neubabelsberg" fertiggestellt, hingen ab 1938 Schilder mit der Aufschrift "Babelsberg - Ufa-Stadt" an den Bahnsteigen. Nicht nur mit der Filmwelt war am Kriegsende Schluss. Erst im Februar 1946 fuhren wieder S-Bahn-Züge nach Potsdam und Kohlhasenbrück. Seit 1949 steht der Bahnhof mit dem Namen "Griebnitzsee" in den Fahrplänen. Der 13. August 1961 stoppte auch hier den S-Bahn-Verkehr. Nur als Ein- und Ausstiegsstation für die DDR-Grenzer zur Kontrolle der Interzonenzüge blieb der Bahnhof in Betrieb. Seit Januar 1990 halten wieder S-Bahn-Züge aus Wannsee Griebnitzsee, wenn auch der durchgehende elektrische S-Bahn-Betrieb erst 1992 wieder einsetzte.

Nach so viel Geschichte, entnommen den aufschlussreichen Tafeln in der rekonstruierten Bahnhofshalle, ist eine Stärkung angesagt. Die Preise halten sich in Grenzen. Sie beginnen für die Baguettes bei einer Mark. Mit Thunfisch, Schinken oder Salami belegt, kosten sie 9,90 Mark. Ein Spinat-Kartoffelgratin ist schon für 9,50 Mark erhältlich. Auch das größte Gericht auf der Speisekarte, die Hähnchenbrustpfanne mit Champignons, Zwiebeln und Knoblauch, schont mit 13,90 Mark den Geldbeutel. Der halbe Liter Bier kostet weniger als fünf Mark. Selbst das Glas Champagner sprengt mit 28 Mark nicht den Rahmen, wird aber nach Auskunft der freundlichen Bedienung recht selten im Lokal verlangt.

Bei schönem Wetter bietet sich ein Platz im Freien an - entweder direkt vor der Tür oder im Biergarten gegenüber. Von dort ist auch der Griebnitzsee mit seinem regen Schiffsverkehr zu erblicken. Wer allerdings an so einem interessanten Ort noch mehr Informationen aufnehmen will, spaziert einfach einige Schritte weiter ins S-Bahn-Museum. Es öffnet in diesem Jahr an den Wochenenden 8./9. Juli, 12./13. August, 9./10. September, 7,/8. Oktober, 11./12. November und 9./10. Dezember jeweils von 11 bis 17 Uhr. Gleich gegenüber dem Lokaleingang können Fahrräder ausgeliehen werden.

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