Berlin : Lola trifft Oscar

Der rote Teppich war ausgerollt: Vor der Verleihung des Deutschen Filmpreises in den Messehallen

Andreas Conrad

Zum Gelde drängt, am Gelde hängt doch alles, ach, wir Armen! Die Gala zum Deutschen Filmpreis an diesem Freitag war noch in weiter Ferne, da wurde schon die erste finanzielle Transaktion des Abends vorbereitet. Die Lola-Vergabe ist für die deutschen Filmschaffenden wie ein Lotto-Gewinn, die passenderweise in Gold gehaltene Dame gewissermaßen eine Göttin, aus deren reich bestücktem Füllhorn die mit Geldgaben verbundenen Preise auf die glücklichen Gewinner herniederprasseln. Zu Beginn des Abends aber sollte der Geldsegen erst mal andersherum fließen. Max Wiedemann und Quirin Berg, Produzenten des Vorjahres- Siegerfilms „Das Leben der Anderen“, wollten einen Scheck über 200 000 Euro an die Geschäftsführerin des Medienboards Berlin-Brandenburg, Kirsten Niehuus, übergeben: die Rückerstattung der gesamten Produktionsförderung für Florian Henckel von Donnersmarcks nicht nur in Berlin, sondern auch in Hollywood preisgekrönten Film. Der Verleih Buena Vista hatte die 60 000 Euro, die ihm als Verleih- und Vertriebsförderung gewährt worden waren, bereits im vergangenen September zurückzahlen können.

Lola traf also Oscar, wenn man so will. Ein Indiz für die doch wieder erfreulichen Ergebnisse, die der deutsche Film derzeit erbringt und die sich auch, so stand zu erwarten, auf die Stimmung beim weiteren Filmpreis-Abend in den Messehallen am Hammarskjöldplatz auswirken würden. Auch für den glamourösen Rahmen war hinreichend gesorgt, mit riesenhaftem Lola-Poster an der Außenwand der Eingangshalle, mit gegenüber dem Vorjahr nochmals verlängertem roten Teppich, mit pompös drapierten weißen Stoffbahnen im Foyer, einem zusammengeschraubten Amphitheater fast antiken Ausmaßes in der Preishalle, die Dekoration in Gold und Rot, dazu zwei Riesen-Lolas rechts und links der Bühne. Später würde es in eine andere Halle zum Feiern gehen, dort in schwarzweißer Dekoration, sehr stilvoll und natürlich mega-glamourös.

Einem war die Lola schon sicher: Armin Mueller-Stahl war für seine Verdienste um den deutschen Film der Ehrenpreis des Abends zugesagt worden. Favoriten für die anderen Preisfiguren waren mit je acht Nominierungen Tom Tykwers „Das Parfum“ und „Vier Minuten“ von Chris Kraus. Moderieren würde zum bereits dritten Mal Michael Bully Herbig, die Gästeliste reichte von Mario Adorf, Moritz Bleibtreu, Daniel Brühl und Hannelore Elsner über Heino Ferch, Uschi Glas und Florian Henckel von Donnersmarck bis zu Heike Makatsch, Jürgen Vogel, Katja Riemann und Til Schweiger.

Doch so sehr der Abend auch glänzen und glitzern sollte: Ein Publikumsinteresse wie bei der ersten Filmpreisverleihung am 6. Juni 1951, festgehalten von der Berliner Journalistin Dora Fehling, war nicht zu erwarten: „Steglitz stand Kopf. D.h. eigentlich stand es Schlange. Es stand Mauer. Die Polizei riegelte ganze Straßenzüge ab, als lägen hochentzündliche Minen in der Gegend.“ Das war am Eröffnungsabend der ersten Berlinale im Titania-Palast, mit Joan Fontaine als Star des Abends, Hauptdarstellerin in Hitchcocks damals nicht mehr ganz taufrischem Psychothriller „Rebecca“. Von den deutschen Stars waren Hans Söhnker, Theo Lingen und auch Olga Tschechowa gekommen, deren Nachname auch gestern auf der Gästeliste stand: Ihre Enkelin Vera wollte kommen.

Die Verteilung der Filmpreise nahm damals wohl nicht sehr glamourös in Vertretung von Bundesinnenminister Robert Lehr dessen Staatssekretär Wende vor, der Preis für den besten abendfüllenden Film, auch Wanderpreis Goldener Leuchter genannt, ging an „Das doppelte Lottchen“. Deren Erfinder Erich Kästner war gekommen, ebenso Regisseur Josef von Baky, der auch gleich den Preis für die beste Regie einheimste. Es gab viele Reden, anschließend „Rebecca“, und im weiteren Verlauf des Festivals einen Abend in der Waldbühne mit Film und Feuerwerk – eine Tradition, die unrettbar verloren ist.

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