Berlin : Lolita rappt

AUFTRITT DER WOCHE Mit Elektro-Beats und aggressiven Texten wurde Uffie zum Clubstar

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Der Mitarbeiter der Plattenfirma ist entspannt. Die Künstlerin, die seit dem frühen Morgen Interviews gibt, sei gut drauf und gesprächig. Nur auf die amerikanische Pop-Newcomerin Kesha solle man sie nicht unbedingt ansprechen, zumindest nicht gleich am Anfang. Und noch bevor man sich Gedanken über die Gründe machen kann, öffnet sich auch schon die Hotelzimmertür, und auf einem Sofa sitzt mit angewinkelten Beinen und aufgeklapptem Laptop auf dem Schoß: Uffie.

Im Berliner Nachtleben kennt man die in Paris lebende Musikerin seit Jahren, regelmäßig ist sie in Clubs wie dem „Weekend“ oder „103“ aufgetreten, an diesem Donnerstag spielt sie in der „Maria am Ufer“. Ihre Shows sind schweißtreibender Irrsinn, bei denen das lolitahafte Erscheinungsbild der Künstlerin im krassen Gegensatz zu den harten Raps steht, mit denen sie die Menge befeuert. In den nächsten Monaten werden wahrscheinlich noch ein paar mehr Menschen ihren Namen und ihre Musik kennen, denn im Juni veröffentlicht sie das Album „Sex Dreams & Denim Jeans“ – ihr Debüt, von Musikkennern wird es seit langem erwartet, denn die ersten Stücke, die vor vier Jahren zunächst im Internet kursierten, klangen vielversprechend. Uffie paart trockene Elektro-Beats mit aggressiven Texten, sie tut das auf bislang unerhörte Weise, inszeniert sich dabei als eigenwilliges, unangepasstes Gesamtkunstwerk, weshalb sie in einschlägigen Medien mitunter als „Anti-It-Girl“ bezeichnet wird.

Spricht man Uffie, die eigentlich Anna-Catherine Hartley heißt, darauf an, gibt sie sich gelassen. „Ich habe mir nie Gedanken über so etwas gemacht“, sagt sie und blickt einen verhuscht an. Ihre Stimme klingt sanft, und wie das 22-jährige Mädchen einem so in sich verdreht gegenübersitzt, in engen Jeans und Tanktop, da hat sie wenig mit der selbstbewussten, starken Bühnenfrau gemein. Sie erzählt, dass die Produktion ihres ersten Albums vor allem wegen der vielen Konzerte auf sich warten ließ, die sie seit ihren Hits „Pop the glock“ und „Ready to uff“ auf der ganzen Welt gegeben hat. Der rasche Aufstieg zum Club-Star überrascht jedoch nicht: Uffie ist beim renommierten Pariser Elektrolabel „Ed Banger“ unter Vertrag, als einziger weiblicher Künstler, ihre Kollegen sind Stars wie Justice und Mr. Oizo.

Seit knapp acht Jahren wohnt Uffie nun schon in Frankreich, geboren ist sie in Miami, aufgewachsen größtenteils in Hong Kong, wo ihre Eltern arbeiteten. Als sie später ihren Vater in Paris besuchte, beschloss sie kurzerhand, dort zu leben, „die Kultur hat mir einfach besser gefallen.“ Zufällig lernte sie ihren späteren Freund und Produzenten DJ Feadz kennen. Der produziert auch einen Teil des Debütalbums – obwohl die beiden mittlerweile getrennt sind und Uffie mit dem französischen Künstler André Saraiva ein Kind hat.

Nur wenn man mit Uffie doch noch über Chartstürmerin Kesha sprechen will, gibt sie sich verstockt. Deren erste Single „Tik Tok“ klingt verdammt nach Uffie. Entsprechend hart fällt ihr Urteil aus: „Ich habe das Stück gehört, es gefällt mir nicht sonderlich.“ Zickenkrieg? Aber ein solcher hat der Karriere von Musikerinnen und dem Interesse an ihnen noch nie geschadet. Nana Heymann

Maria am Ufer, Donnerstag, 21 Uhr

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