Berlin : Louise-Schroeder-Medaille: Unwürdiger Streit um eine Würdigung

Ingo Bach

Natürlich streiten Politiker, wenn sie über Ehrungen entscheiden sollen. Doch das parteipolitische Hickhack um die Louise-Schroeder-Medaille - neben der Ernst-Reuter-Medaille eine der höchsten Ehrungen, die Berlin zu vergeben hat - fällt aus der Reihe. Die 1998 erstmals verliehene Würdigung konnte im letzten Jahr nicht an die ehemalige Brandenburger Sozialministerin Regine Hildebrandt vergeben werden, weil die CDU querschoss. In diesem Jahr kürte das Präsidium des Abgeordnetenhauses die umstrittene Autorin Daniela Dahn als Preisträgerin. Und wieder gibt es Streit - vorgetragen von der CDU.

Zum Thema Ted: Soll die Louise-Schroeder-Medaille abgeschafft werden? Über dieses Gezänk kann Ingrid Lottenburger nur den Kopf schütteln. "Wir hatten uns vorgenommen, dass Meinungsverschiedenheiten nicht in die Öffentlichkeit gehören", sagt die ehemalige frauenpolitische Sprecherin der Berliner Grünen-Fraktion. "Wir", das sind die frauenpolitischen Sprecherinnen aller Fraktionen. Lottenburger hatte 1994 die Idee, eine solche Plakette - als weibliches Gegengewicht zur Ernst-Reuter-Medaille - zu begründen. "Ich wusste, dass ich nicht lange im Abgeordnetenhaus sitzen würde", sagt die heute 68-Jährige, die 1994 zum ersten Mal ins Berliner Parlament einzog. "Da wollte ich etwas Bleibendes hinterlassen." Eine Ehrung, die nur für Frauen reserviert werden sollte. "Schließlich war die Ernst-Reuter-Medaille bisher fast nur an Männer verliehen worden."

Doch von der Idee musste erst das Abgeordnetenhaus überzeugt werden - eine Aufgabe, die Jahre in Anspruch nahm. Im Laufe des Verfahrens, für das Lottenburger die frauenpolitischen Sprecherinnen aller damals im Abgeordnetenhaus vertretenen Fraktionen (CDU, SPD, PDS, Bündnis 90/Grüne) gewann, dehnte man die Vergabekriterien auch auf Männer und Institutionen aus. Doch ein entscheidendes Kriterium blieb: Verdienste um die Gleichberechtigung von Frau und Mann. 1997 beschloss das Abgeordnetenhaus, jährlich eine Louise-Schroeder-Medaille zu vergeben.

Louise Schroeder war die starke Frau hinter dem Berliner Oberbürgermeister Ernst Reuter, sagt Lottenburger. Schroeder vertrat Reuter von 1947 bis 1948. Denn der Sozialdemokrat durfte sein Amt nicht ausüben, weil die Sowjets ihr Veto einlegten gegen den Ex-Kommunisten, der zum Antikommunisten geworden war. Louise Schroeder war nicht nur dessen Vertreterin. Ihre Amtsführung machte sie bei den Berlinern ungeheuer beliebt - die Basis für den Wahlsieg Reuters bei den nur noch für West-Berlin geltenden Oberbürgemeisterwahlen 1948.

Und nun der Streit um die Medaille. Droht da ein Ansehensverlust für die Ehrung? Die grüne Politikerin Lottenburger winkt ab: "Auch Preisträger der Reuter-Medaille waren umstritten. Da sprach keiner von einem Ansehensverlust. Doch bei uns Frauen wird gleich die ganze Ehrung grundsätzlich in Frage gestellt."

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