Berlin : Love Parade: Alles auf Anfang

Der Abschied des Geschäftsführers zeigt, dass die Party-Organisation so nicht mehr funktioniert

Matthias Oloew

Nachdem Fabian Lenz den Job als Geschäftsführer der Love Parade GmbH aufgegeben hat, bereitet offenbar auch Ralf Regitz, zweiter Kopf im Organisationsstab des Techno-Spektakels, seinen Rückzug vor. Das sagen Mitstreiter und Freunde. Regitz selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Regitz ist Chef der Firma Planetcom, die im Auftrag der GmbH die Love Parade organisiert hat. Gleichzeitig ist Regitz als Teilhaber der GmbH auch einer der Chefs von Lenz gewesen. Für seinen Rückzug spräche, dass Regitz ab Mai ohnehin eine andere Aufgabe hat: Er wird seinem jahrelang geschlossenen Club E-Werk wieder Leben einhauchen. Die Love Parade bräuchte er nicht mehr.

Es waren vor allem die Überschneidungen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer, die Fabian Lenz nicht länger ansehen wollte. Er hoffte mit seiner Kündigung auf eine effizientere Struktur, die es seinen Nachfolgern möglich machen solle, die Love Parade am 9. Juli 2005 wieder im Tiergarten stattfinden zu lassen. Was wie eine Nebensächlichkeit klingt, wirft ein Licht auf das Kern-Problem der weltgrößten Techno-Party: Es lässt sich nicht mehr genügend Geld damit verdienen, um die Kosten zu decken.

Und deshalb ist es auch vorbei mit der Friede, Freude, Eierkuchen-Atmosphäre in der Chefetage der Love Parade. Auch deswegen hat Fabian Lenz, wie berichtet, seinen Job als Geschäftsführer der Love Parade GmbH hingeworfen.

Inzwischen ist den Machern der Love Parade um Matthias Roenigh, besser Bekannt als DJ Dr. Motte, aufgegangen, dass das Spektakel bei aller Liebe nicht mehr auf die gleiche Art und Weise zu organisieren ist wie in den fetten Jahren. Damals war es möglich, eine Firma als Veranstalterin zu installieren (die Love Parade GmbH), die eine zweite Firma (Planetcom) beauftragt, deren einziger Geschäftszweck die Organisation der Parade ist. Doch seitdem die Sponsoren nicht mehr reihenweise auf den fahrenden Techno-Zug aufspringen, die Kosten für den Rave wegen der Organisationsstruktur nicht zu drücken sind, ist der Tanz nicht mehr zu bezahlen. In diesem Jahr musste er abgesagt werden.

Eine offene Auseinandersetzung zwischen Lenz und seiner Love Parade GmbH sowie Regitz, dem die Organisations-Firma Planetcom gehört, haben beide offiziell immer bestritten. Intern gab es zwischen beiden aber Ärger um die Frage, ob die Techno-Party nicht günstiger zu machen sei. Zum Beispiel, indem der Veranstalter Angebote von konkurrierenden Firmen eingeholt hätte, um die Preise zu vergleichen. Doch Planetcom-Chef und Love-Parade-Teilhaber Regitz sagte dazu nein und behielt alle Trümpfe in der Hand. Er hatte den Exklusiv-Vertrag mit dem Senat über die Veranstaltung der Love Parade am jeweils zweiten Sonnabend im Juli auf der Straße des 17. Juni abgeschlossen – und nicht Fabian Lenz mit der Love Parade GmbH.

Die Aufgabe habe ihn mürbe gemacht, sagte Lenz: „Man trat auf der Stelle.“

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