Berlin : Love Parade: Aus eins mach zwei, oder: Sie tanzen alle Tage

Holger Wild

Sollte der Innensenator heute entscheiden, dass die Love Parade 2001 am 21. Juli stattfindet - so heißt das noch lange nicht, dass der 14. Juli techno-frei bleibt. Wahrscheinlicher ist, dass die elektronischen Bässe dann eben an zwei Wochenenden durch Berlin wummern. Denn für den 14. Juli ist nicht nur die "Fuckparade" angemeldet, die seit 1996 zeitgleich zur Massenparty im Tiergarten durch Mitte zieht. Diese Gegen- und Konkurrenzveranstaltung zur Love Parade lockte mit 27 Musik-Lastern im letzten Jahr auch schon rund 10 000 Leute an.

Vor allem ist zu erwarten, dass an diesem Tag auch im Tiergarten sich junge Leute mit Beschallungsanlagen versammeln. Sei es, weil sie von der Verschiebung der Love Parade nichts mitgekriegt haben, sei es, weil sie langfristig gebucht haben. Oder sei es einfach darum, weil sie (im Wortsinne) demonstrieren wollen: dass sie sich ihr jährliches Jugend-Gipfeltreffen nämlich nicht von einer Tiergarteninitiative, dem Senat oder sonstwem nehmen lassen wollen.

Im Internet sind Aufrufe in dieser Richtung bereits zu lesen. Und auch Szene-Kenner wie Mark McGuire vom Berliner Diskotheken-Interessenverband "Club Commission" meint, eine solche "Verdopplung" der Love Parade "könnte auf alle Fälle passieren". Die Berliner Clubs wappnen sich schon mit speziellen Programmen für gleich beide Juli-Wochenenden. Durchaus, wie es im "Tresor" heißt, "mit dem Hintergedanken, dass auch am 14. ein ganzer Schwung von Leuten in Berlin sein wird".

Nicht zu vergessen der Umzug von Freunden des deutschen Schlagers, der in den letzten Jahren immer am Freitag vor der Love Parade über den Kurfürstendamm ging. Ob er diesmal ebenfalls angemeldet ist, konnte die Versammlungsbehörde gestern aber nicht sagen. Sie sei vollkommen ausgelastet mit der Prüfung der beiden Love-Parade-Termine.

Was diese Behörde dieser Tage jedoch konnte, war, dem Anmelder der Fuckparade deren Nicht-Genehmigung in Aussicht zu stellen. Grund: eine Demonstration sei eine Versammlung mit Transparenten, Redebeiträgen und weniger Musik. So berichtet es Martin Kliehm, der Anmelder. Die Verbots-Ankündigung überrascht ihn umso mehr, als seine Demonstration im Unterschied zur Love Parade durchaus konkrete politische Ziele vertrete: gegen die Kommerzialisierung der Innenstadt, gegen das Verschwinden von immer mehr Räumen für nicht-profitorientiertes Leben und Feiern.

Sollte etwa, was der Love Parade recht ist, nicht jedermann billig sein? Reicht für diese jede Menge Musik und eine verwaschene Botschaft von Liebe und Eintracht, um als Demonstration anerkannt zu werden, so soll das für die andere, die keine Million Menschen auf die Straße bringt, nicht gelten?

Ein Sprecher des Innensenators erklärte gestern nur, über die Fuckparade sei noch keine Entscheidung gefallen. Kliehm will natürlich klagen, sollte das Verbot tatsächlich ausgesprochen werden. Nach Lage der Dinge hätte er vor Gericht gute Chancen. Die Fuckparade würde dann als Sternmarsch zum Alexanderplatz ziehen, ausgehend vom Heinrichplatz, dem Mauerpark und der Reinhardtstraße.

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