Berlin : Love Parade: Das Techno-Spektakel findet statt - aber nur als Straßenfest

Cay Dobberke

Wie vergessen scheint der Streit zwischen dem Senat und den Veranstaltern der Love Parade - gemäß dem Gründungsmotto des Techno-Spektakels könnte man wieder sagen: "Friede, Freude, Eierkuchen." Am Freitag wurde bekannt gegeben, dass der Termin am 21. Juli gesichert ist. Die Parade mit der diesjährigen Parole "Enjoy the Love Republic!" findet erstmals nicht mehr als Demonstration, sondern als Straßenfest statt. Alle finanziellen und organisatorischen Fragen seien aber geklärt, sagte CDU-Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner. "Die Sondernutzungserlaubnis wurde erteilt."

Rund 15 Senats- und Bezirksbehörden hätten unter Federführung der Wirtschaftsverwaltung gut zusammengearbeitet, lobte Branoner. Seinen Stolz zeigte der Senator (dem wie allen CDU-Mitgliedern der Landesregierung heute die Abwahl droht), indem er sich als Retter des Raverfestes titulierte: "The man who saved the rave".

Auch Love-Parade-Sprecher Enric Nitzsche bescheinigte den Verwaltungen, "außergewöhnlich gearbeitet" zu haben, um die Veranstaltung mit einer Million erwarteter Gäste kurzfristig zu ermöglichen. Wie Branoner sprach er von "sehr sachlichen" Verhandlungen. Trotzdem kämpfe die Veranstalterfirma Planetcom weiter um den aberkannten Status als Demonstration. Eine Klage sei am Donnerstagabend beim Verwaltungsgericht eingereicht worden. Wenn nötig, werde man "durch alle Instanzen gehen". Zumindest für dieses Jahr habe der Eilantrag aber keine praktische Bedeutung. So sah es auch Volker Hassemer, Chef der Stadtmarketing-Agentur "Partner für Berlin": Rechtssicherheit zum Paraden-Status "wird es in diesem Jahr nicht geben".

Planetcom will einen Großteil der Kosten übernehmen. Die Gesamtsumme schätzen Senatsexperten auf 650 000 bis 700 000 Mark. Allein die Beseitigung von Schäden im Großen Tiergarten dürfte 350 000 Mark erfordern. Schäden in der Umgebung könnten sich auf 200 000 Mark summieren. Dazu kämen "Nebenkosten" von 110 000 bis 120 000 Mark - etwa für Absperrungen und andere Sicherheitsmaßnahmen sowie Toiletten. "Wie wir die Mehrkosten finanzieren, wissen wir noch nicht", sagte Paraden-Sprecher Nitzsche. Die Müllbeseitigung zahlt das Land Berlin. Eine Kostenschätzung dazu hatte Senator Branoner nicht parat.

Der ursprünglich geplante Paraden-Termin am 14. Juli war an einer Demonstration von Bürgern gescheitert, die den Schutz des Tiergartens vor den alljährlichen Zerstörungen durch Technofans fordern (wir berichteten). Die Kritiker hatten ihre Kundgebung schon vor Planetcom beantragt.

Branoner und Hassemer erinnerten auch an die internationale Bedeutung der Parade für Berlin. Für die Tourismuswerbung gebe es keine wichtigere Veranstaltung. Außerdem würden Mehrumsätze in dreistelliger Millionenhöhe innerhalb der Stadt erzielt.

Das gilt nicht für die Gegenveranstaltung "Fuck Parade", die wohl deshalb keine Unterstützung beim Senat findet. In den Vorjahren waren wenige tausend Techno-Fans, die eine Kommerzialisierung der Love Parade kritisieren und härtere Rhythmen bevorzugen, durch den Bezirk Mitte gezogen. Jetzt aber wurde auch der "Fuck Parade" der Demo-Status verwehrt. Branoner sagte auf Nachfrage, über alternative Lösungen für diese Parade nicht nachgedacht zu haben.

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