Berlin : Love Parade: Dr. Motte lässt sich nicht in die Parade fahren

akl/oew/tabu

Trotz sinkender Teilnehmerzahlen und trotz angedrohter Protestaktionen bleibt der "Erfinder" der Love Parade, DJ "Dr. Motte" gelassen: Das heute um 14 Uhr beginnende Techno-Spektakel werde ein voller Erfolg, sagte er am Freitag. Vor dem Hintergrund der gerichtlichen Auseinandersetzung um den politischen Charakter der Party sagte er: Es habe sich als Problem erwiesen, "auszudrücken, was ist unser Anliegen, wo wollen wir eigentlich hin." Für das kommende Jahr will er einem Streit mit dem Senat aus dem Weg gehen und frühzeitig verhandeln. Die Love Parade 2002 hat er indes bereits angemeldet - für das zweite Juli-Wochenende, als politische Demonstration.

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TED: Hat die Love Parade noch Kultcharakter? Zum ersten Mal gilt die Love Parade nicht als Demonstration, sondern als Straßenfest. Mit weitreichenden Konsequenzen. So müssen die Veranstalter die Beseitigung des Mülls alleine bezahlen, der Senat kommt für den Dreck auf, der in der Innenstadt zusammenkommt. Für das Straßenfest gilt eine Ausnahmegenehmigung beim Lärmschutz. Einen Antrag von Tiergarten-Anwohnern auf eine Einstweilige Anordnung, den Lärmpegel zu drosseln, lehnte das Verwaltungsgericht ab. Den Status als Demonstration gibt "Dr. Motte" jedoch nicht verloren: "Wir wollen mit unserer Musik für eine friedliche und glückliche Welt demonstrieren." Grafik: Die Route der Love Parade Von den angekündigten Störungen einiger Wagenbetreiber und des Techno-Magazins "Raveline" zeigte sich Paraden-Sprecher Enric Nitzsche unbeeindruckt: "Nach unserer Kenntnis wird ein solcher Protest morgen nicht stattfinden." Raveline hatte angekündigt, dass einige Wagen aus Protest gegen die Marketingstrategie der Veranstalter gegen 17 Uhr für zehn Minuten die Musik abstellen werden. "Trotz aller Turbulenzen", so Nitzsche weiter, "die Love Parade wird in diesem Jahr so international wie nie." Wagen aus acht Ländern und Teilnehmer aus insgesamt 20 Nationen sind dabei. Um 14 Uhr werden sich zeitgleich zwei Züge vom Ernst-Reuter-Platz und vom Brandenburger Tor aus in Bewegung setzen, aneinander vorbeiziehen, und sich ab 18 Uhr zur Abschlussparty an der Siegessäule formieren. "Dr. Motte" will dann gegen 20 Uhr seine Rede halten. Motto der Techno-Party: "Join the Love Republic".

Nach dem Rave rüsten BSR und Alba wieder für einen Großeinsatz. Sobald sich die Raver in die Clubs aufgemacht haben, beginnt auf der Straße des 17. Juni das große Aufräumen. Gegen 24 Uhr starten zunächst 39 Mitarbeiter und 20 Fahrzeuge mit der Reinigung rund um Ernst-Reuter- und Hardenbergplatz. Um 1 Uhr folgen dann 150 Mitarbeiter mit 83 Fahrzeugen. Der Großeinsatz beginnt am Sonntag um 8 Uhr, wenn 633 Mitarbeiter mit 166 Fahrzeugen an die Arbeit gehen. "Bis zum frühen Nachmittag soll die Paradestrecke wieder sauber sein", kündigt BSR-Sprecherin Sabine Thümler an. Obwohl dieses Jahr erheblich weniger Besucher erwartet werden, bereiten sich BSR und ALBA auf die gleiche Müllmenge vor. Im vergangenen Jahr hinterließen die Raver rund 260 Tonnen Abfall. 200 000 Mark werden den Veranstaltern dafür in Rechnung gestellt. Der Senat will lediglich die Kosten für jenen Abfall übernehmen, der durch die Veranstaltung im restlichen Stadtgebiet anfällt. BSR und ALBA beteiligen nicht an den Kosten.

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