Berlin : Love Parade in Gefahr: Das Geld reicht nicht, die Zeit wird knapp

Ohne eine erneute Beteiligung der Messe Berlin muss das Techno-Spektakel wohl abgesagt werden. Doch das Land will nichts mehr zuzahlen. In dieser Woche soll eine Entscheidung fallen

Cay Dobberke

Die Zukunft der Love Parade ist knapp drei Monate vor dem geplanten Termin am 10. Juli noch immer ungewiss. Ob die Techno-Massenparty im Tiergarten stattfinden kann oder aus Geldmangel abgesagt werden muss, werde frühestens gegen Ende dieser Woche feststehen, sagte gestern Sünje von Ahn von der Love Parade Berlin GmbH. Zuletzt hatte das Spektakel im Juli 2003 etwa 500000 Besucher unter dem Motto „Love Rules“ angelockt.

Entscheidend sei jetzt, ob die Messe Berlin wieder als Mitveranstalter zur Verfügung stehe, so die Sprecherin. Denn seit der Party im Jahr 2001 der Demonstrations-Status aberkannt worden war, kann sie die Kosten alleine nicht mehr einspielen. Die Messe- Tochterfirma Capital Catering hatte beim letzten Mal die Speisen und Getränke entlang der Route verkaufen dürfen. Dafür bezahlte das Unternehmen die Reinigungskosten, das Sicherheitspersonal und einen Zaun gegen Schwarzhändler. Die Einnahmen blieben allerdings viel geringer als die Ausgaben in Höhe von 765000 Euro. Wie später bekannt wurde, machte Capital Catering rund eine halbe Million Euro Verlust.

Diesmal „würden wir uns im Interesse Berlins nur engagieren, wenn wir finanziell bei plusminus Null liegen“, sagte Messesprecher Michael Hofer am Dienstag. „Weitere Verluste kommen nicht in Frage.“ Noch lägen aber keine Verbesserungsideen der Love-Parade-Veranstalter vor. „Sie müssen auf uns zukommen, nicht umgekehrt“, betonte Hofer.

Eine Sprecherin der Senatswirtschaftsverwaltung ergänzte, es könne durch Berlin oder landeseigene Unternehmen wie die Messe „keine Dauersubvention einer privaten Veranstaltung“ geben. So stehe es auch in einer 2002 geschlossenen Rahmenvereinbarung mit den Veranstaltern. Die Jugendverwaltung bekräftigte die grundsätzliche Unterstützung von Jugendsenator Klaus Böger (SPD) für die Raver-Party. Derzeit würden aber keine Gespräche mit den Beteiligten geführt, hieß es.

Love-Parade-Gründer Matthias Roeingh alias „Dr. Motte“ hatte nach der letztjährigen Party beklagt, dass die Kosten seit dem Ende der Anerkennung als Demo um jährlich 600000 Euro angestiegen seien. Er argumentiert stets, die Parade sei ein Symbol für friedliches Zusammenleben und damit durchaus eine politische Kundgebung.

Die Ableger der Love Parade in Mexiko und Israel sind nach Angaben der Veranstalter in keinem Fall bedroht. In Mexiko-Stadt war die erste Parade vor zwei Jahren ursprünglich nur als Fest beantragt und von den Ämtern abgelehnt worden. Dann aber wurde der Umzug – auch mit Unterstützung örtlicher Künstler und des Goethe-Instituts – erfolgreich als Kundgebung angemeldet. Vor zweieinhalb Wochen gab es die zweite mexikanische Parade. Auch in Tel Aviv sind neue Termine geplant. „Dort wird die ganze Logistik von der Stadt betreut“, sagt Paraden-Sprecherin von Ahn. Es solle bald noch mehr Ableger im Ausland geben, kündigte sie an. Dies sei aber noch nicht spruchreif.

Kleinere Nachahmer der Love Parade in Deutschland, die von anderen Veranstaltern organisiert werden, können sich noch durch Sponsoren finanzieren. So steht am 22. Mai der „G-Move“ in Hamburg bevor – unterstützt durch einen Magenbitter-Hersteller.

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