Berlin : Love Parade: Mehr Sicherheit für die Raver und für Fans bei Rockkonzerten

Annette Kögel,Werner Schmidt<p>,Werne

Nach den Todesfällen beim Rockfestival im dänischen Roskilde überprüfen jetzt auch Berliner Konzertveranstalter ihre Sicherheitsvorkehrungen. So will die Deutsche Entertainment AG bei Konzerten mit unruhigem Publikum bei Bedarf mehr Ordner einsetzen und "Wellenbrecher"-Gitter aufstellen. Darüberhinaus unterstützen Konzertveranstalter eine neue gesetzliche Vorschrift zu rutschfestem Spezialbelag bei Großveranstaltungen vor der Bühne. Unterdessen hieß es bei der Polizei, eine Katastrophe wie in Dänemark, bei der acht Menschen erdrückt wurden, sei bei der Love Parade unwahrscheinlich.

Aus Sicherheitserwägungen gibt es für die große Zahl der Love-Parade-Besucher kaum einen besseren Ort als den Tiergarten, sagte Peter Daube, Erster Polizeihauptkommissar in der Polizeidirektion 3 und Leiter des Vorbereitungsstabes zur Love Parade. Im Fall einer Panik können die Menschen nach links und rechts ausweichen und wegrennen. Um diese natürlichen Fluchtwege nicht einzuengen, dürfen die Stände an den Straßen nicht breiter als sechs Meter sein und nur im Abstand von 50 bis 60 Meter stehen. Außerdem wird es im gesamten Bereich nur in zwei Fällen Absperrgitter geben: Die Denkmale von Roon und Moltke sind geschützt, damit Raver sie nicht erklimmen. An den Brücken nahe der Paradestrecke werden Boote der Wasserschutzpolizei postiert. Die Übertragungswagen der Sender werden vorwiegend an der Altonaer Straße aufgestellt. Es wird darauf geachtet, dass sie parallel zur Straße stehen, damit im Falle einer Panik Straße und Gehwege frei bleiben.

Die Polizei rechnet am Sonnabend mit 1 bis 1,5 Millionen Besuchern, etwa 2000 Polizisten werden entlang der Strecke aufgestellt. Damit sich am Abend nicht alle am und zum Großen Stern drängen, werden die Lautsprecherwagen etwa 500 bis 1000 Meter in die angrenzenden Straßen hineinfahren und von 19 Uhr an dieselbe Musik übertragen.

In Berlin gebe es keinen Veranstaltungsort, auf dem sich wie in Roskilde Menschenmassen über mehrere Tage hinweg bei einem Festival aufhalten - und aufheizen können, sagte Frank Reinhardt, Vorstandsmitglied der Deutschen Entertainment AG. Man habe jedoch einen Vertrag mit dem Lausitzring unterzeichnet, dort sollen künftig auch Festivals ausgerichtet werden. Das erste mit "Mainstream"-Musik sei für Frühjahr oder Herbst 2001 geplant.

Da es sich dort um Asphaltboden handele, bestehe nicht die Gefahr, dass das Publikum bei Regen im Schlamm ausrutscht. Bei den Planungen fürs Festival werde man Sicherheitsaspekte genauestens prüfen - und bei jenen Konzerten in Berlin, bei denen Fans erfahrungsgemäß besonders "ausflippen", teils mehr "Wellenbrecher"-Gitter und Ordner einsetzen. Im Olympiastadion, in der Wuhlheide und auf dem Maifeld rollen Konzertveranstalter "Portafloor-Rollaway"-Matten aus - ein TÜV-geprüfter, rutschfester Belag, der auch den Rasen schont. Gesetzlich vorgeschrieben sei dies nicht. Eine solche Vorschrift würden die Entertainment-AG und die Downtown-GmbH aber für gefährdete Konzerte unterstützen. Bei der nächsten Großveranstaltung, dem Tina-Turner-Konzert am 21. Juli im Olympiastadion, könne eine Druckwelle wie bei den 50 000 Besuchern in Roskilde nicht entstehen, sagte Reinhardt: Viele Fans verlangten Sitzplätze, der Innenraum werde nur zu zwei Dritteln mit Besuchern gefüllt. In der Waldbühne passen 1500, in der Wuhlheide 2500 Menschen in den Innenring vor der Bühne, sagte Geschäftsführer Klaus Rößler von der "Downtown Veranstaltungs GmbH". "Man lernt aus jeder Veranstaltung", so Rößler auf die Frage nach Roskilde. Dank Polizeikameras würden Konzerte bereits aus der Luft beobachtet. Stets seien neben teils bis zu 550 ausgebildeten Ordnern pro Konzert Extra-Kräfte für das Checken der Stimmung eingesetzt. Bei Boygroups arbeite "die doppelte Anzahl Ordner" wie etwa bei Volksmusikfesten - teils laufen sie an der Bühne durch die kreischende Menge, "um die Stimmung aufzulockern". Unterdessen klagt Rößler über immer unvernünftigere und rücksichtslosere Fans. "Ausschließen kann man bei allen Bemühungen daher nichts."

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