Berlin : Love Parade ohne Chef

Fabian Lenz hat aufgegeben, ein Nachfolger für die Organisation des Raves ist noch nicht gefunden

Matthias Oloew

Er verabschiedet sich mit freundschaftlichen Worten. Nach knapp drei Jahren hat Fabian Lenz seinen Job als Geschäftsführer der Love Parade GmbH aufgegeben und sich am Donnerstag offiziell verabschiedet. Persönliche Gründe hätten den Ausschlag für seinen Schritt gegeben, erklärt Lenz. Zuletzt hatte ihn die Aufgabe mürbe gemacht. Er möchte sich neu orientieren. Das fängt mit einer längeren Reise zum Jahresbeginn an.

Lenz hat die Leitung der Parade übernommen, als der Techno-Umzug gerade seinen Status als politische Demonstration verloren hatte. Das bedeutete für die Macher: Sie mussten schrittweise auch die anfallenden Kosten für die Müllbeseitigung übernehmen. Zusätzlich kompliziert wurde die Situation durch das nachlassende Interesse großer Sponsoren. Auch die eigenen Einnahmen, zum Beispiel durch die Love-Parade-CD, brachen ein. Die Folge: Für das Spektakel im Tiergarten gab es immer weniger Geld. In diesem Jahr hatte sich Lenz zu einem Schritt entschlossen, den nicht alle Väter der Parade gut hießen, er sagte die Parade ab. Sie war nicht zu finanzieren.

Lenz hatte im Umgang mit der Öffentlichkeit und den Behörden sehr viel moderatere Töne angeschlagen. Seine Vorgänger zogen sich auf den Status zurück: Wir sind eine Demo, die Probleme sind nicht unsere. Lenz wollte sich kümmern, doch das wurde ihm nicht immer leicht gemacht. „Man trat immer auf der Stelle“ beschreibt er die Situation vergangener Jahre, und außerdem war der Job undankbar. „Das ganze Jahr arbeitet man auf einen Tag hin, dann ist es ruckzuck vorbei und man fängt von vorne an.“

Fabian Lenz ist der jüngere Bruder von Maximilian Lenz, der als Westbam weltbekannt wurde. Bevor er in die Berliner Techno-Familie um Matthias Roeingh, alias DJ Dr. Motte, und Ralf Regitz hineinwuchs, war er als Techno-DJ durch die Welt gejettet. Mit Regitz, dem Organisationsleiter der Parade und Ex-Betreiber des Techno-Tanztempels E-Werk, gab es immer wieder Reibereien. Einen Nachfolger hat Lenz für seinen Job noch nicht gefunden. Eine anstrengende Aufgabe ist neu zu vergeben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben