Berlin : Love Parade: Planspiele für die Raver-Demo: Eine Dauerlösung soll her

Holger Wild

Langsam ist offenbar auch der Berliner Senat des jährlichen Tauziehens um die Love Parade leid. Ist die Kuh für diesmal vom Eis (die Raverherde aus dem Tiergarten wieder verschwunden), soll das ganze Problem noch einmal "in einer Vielzahl von Vorschlägen behandelt werden, um das Gerangel einmal zu beenden", sagte Hartmut Rhein, Sprecher von Innensenator Eckart Werthebach (CDU) gestern. Einmal - soll heißen: ein für alle Mal.

Auch Claus Guggenberger, Sprecher von Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) bestätigte Planspiele in seinem Haus: "Wir prüfen, in welcher Form die Love Parade künftig ablaufen kann. Und wie man die höchst divergierenden Interessen unter einen Hut bringen kann."

Zugleich wiesen beide darauf hin, dass diese Vorschläge und Prüfungen auf die diesjährige Parade noch keine Auswirkungen haben werden. Sie ist bekanntlich für den 21. Juli als Demonstration im Tiergarten angemeldet. Eine zweite Demonstration am selben Tag und Ort hat eine Bürgerinitiative "Aktion 2000" angemeldet. Ein erstes Kooperationsgespräch zwischen dieser und der Versammlungsbehörde wurde gestern auf den 4. Mai vertagt. Die Initiative hält an ihrer Absicht fest, gegen ein etwaiges Verbot ihrer Demo vor Gericht zu ziehen. Was, wie berichtet, die Möglichkeit birgt, dass die Love Parade schon 2001 ihren Status als Demonstration verliert.

Anders sieht das freilich für die kommenden Jahre aus. Jugendsenator Klaus Böger (SPD) hat sich dahingehend vernehmen lassen, die Parade solle "in den Veranstaltungskalender der Stadt" aufgenommen werden. Was zumindest irreführend ist: Es gibt wohl keinen einzigen Veranstaltungskalender der Stadt, in der die Love Parade nicht aufgeführt ist. Wie seine Sprecherin Rita Herrmanns bestätigt, meint Böger vielmehr, die Parade solle als "Sondernutzung öffentlichen Straßenlandes" durchgeführt werden. So gäbe es Planungssicherheit für alle: die Stadt, die Tourismusindustrie und die Organisatoren der Parade. Ihre Gegner könnten sie so wenig verhindern, wie jemand den Karneval der Kulturen verhindern kann.

Dass Bögers Forderung keine neue ist, verschlägt wenig. Es gibt Gründe zur Annahme, dass endlich sogar die Planetcom als Veranstalter der Love Parade zu der Einsicht gelangt, mit ihrer kompromissunwilligen Haltung nicht mehr weiter zu kommen. Wer garantiert, dass nächstes Mal nicht wieder jemand schneller ist? Und wenn der Senat wirklich wollte, dann stünden ihm auch Druckmittel zur Hand. Er muss eine Demo schließlich genehmigen. Und dem Tiergarten wäre auch geholfen: Sonder-Nutzer öffentlichen Straßenlandes (und öffentlicher Grünflächen) müssen das Gelände nämlich wieder in den Zustand versetzen, in dem sie es vorfanden. Nicht nur den Müll wegkehren, sondern auch die Schäden im Park wiedergutmachen. Dies war der Planetcom bisher zu teuer. Aber im Senat wird auch eine künftige Verlegung der Love Parade nicht mehr ausgeschlossen.

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