Berlin : Love Parade: "Russisch Roulette" auf der Party-Strecke

Tanja Buntrock

Auch wenn dieses Jahr zur Love Parade nur eine halbe Million bunt gestylter Menschen in die Stadt kommen sollten, sind die Tanzwütigen gern gesehen in der Stadt. Schließlich geben sie eine Menge Geld in Berlin aus. Da freuen sich nicht nur die Hoteliers und Wirte, sondern auch die Drogen-Dealer. Denn viele Techno-Fans werden ein ganzes Wochenende high sein. Dabei sind die harten Beats nicht die einzige Dröhnung. Um den Tanzmarathon im Tiergarten und die Clubnächte durchzustehen, sind Ecstasy, Speed und andere Party-Drogen wieder heiß begehrt.

Ber der Love Parade im vergangenen Jahr, bei der die Polizei rund 800 000 Besucher zählte, kam es insgesamt zu 313 Fälle im Zusammenhang mit Rauschgift, davon wurden vier Haftbefehle wegen Drogenhandels verhängt. Fast 3000 Ecstasy-Pillen stellten die Beamten sicher, dreieinhalb Kilogramm Marihuana, 50 Gramm Kokain, 148 LSD-Trips, 72 fertig gedrehte Joints und drei Kilogramm Haschisch Kekse. Erstmalig tauchten auch halluzinogene Pilze auf, von denen die Polizei 12 Gramm beschlagnahmte.

Zum Thema Online Spezial: Love Parade
TED: Hat die Love Parade noch Kultcharakter? Wie "Russisch Roulette" sei der Konsum vor allem der synthetischen Drogen wie Ecstasy, warnt der Leiter des Rauschgiftreferats im Landeskriminalamt, Rüdiger Engler. Die kleinen, bunten Pillen seien hoch gefährlich, "weil der Nutzer nie weiß, was er kauft". Die Inhaltsstoffe können sehr voneinander abweichen. Oder es ist bei den zwischen 10 und 30 Mark teuren Tabletten überhaupt kein berauschender Wirkstoff enthalten. Dann spricht die Polizei von "Blendern". 4000 Stück stellte bei der letzten Love Parade sicher. Ein Großteil davon war Katzenfutter: rosa farbene, herzförmige Drops, die eigentlich als Leckerlies für die kleinen Samtpfoten im Handel zu kaufen sind. "Aber auch der Handel damit ist strafbar", sagt Engler, "denn das fällt unter Handel mit falscher Ware."

Die Drogen - insbesondere Ecstasy - werden aus Holland, Belgien und Polen eingeschleust. Polen kündigte breits gestern an, zum Love Parade Wochenende an den Grenzübergängen strenger zu kontrollieren.

Wie gefährlich insbesondere Ecstasy ist, zeigt eine im letzten Jahr veröffentlichte Studie unter der Leitung des Hamburger Psychiaters Rainer Thomasius. Er fand heraus, dass regelmäßiger Konsum zu Gedächtnisverlust, Verfolgungswahn und Depressionen führen kann. Für den Fall, dass solche Panikattacken oder Herzrhythmusstörungen die berauschten Raver inmitten der Parade überkommen, ist unweit des S-Bahnhofes Tiergarten der Drogennotdienst (DND) zusammen mit dem "mindway" - einem Projekt für Prävention und Beratung im Zusammenhang mit Partydrogen - präsent. Neben Informationsmaterial bieten sie den Ravern kostenlos Wasser, isotonische Getränke und Obst an, denn "viele trinken im Rausch zu wenig und brechen dann zusammen". In einer Chill-Out-Area können sich die Betroffenen bei entspannter Musik ausruhen. Unter der Telefonnummer 19237 ist die Beratungsstelle das ganze Jahr Tag und Nacht zu erreichen.

Die 2000 Polizisten, die bei der Love Parade im Einsatz sind, "werden vor allem die 900 Hifskräfte während der Parade unterstützen", sagt Jürgen Schubert, Leiter der Direktion 3. Mitten im Tiergarten postieren sich an "18 mobilen Standorten" Beamte, die von dort aus gezielt einschreiten wollen, wenn gedealt oder geklaut wird. Schon heute überprüfen die Beamten bei Verkehrskontrollen Autos und Insassen gezielt nach Drogen.

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