Berlin : Love Parade: Standortdebatte

Stephan Wiehler

In deutschen Städten und Regionen schlagen viele Herzen seit dieser Woche höher, und zwar im Takt der wummernden Techno-Bässe der Love Parade. Nachdem Berlins Innensenator Eckart Werthebach (CDU) für den Termin des Techno-Umzuges am 14. Juli eine Gegendemonstration auf der Strecke genehmigt hat, flattern den Veranstaltern der Raverparade, der Firma Planetcom, täglich Angebote für Ausweichstandorte aus ganz Deutschland ins Haus.

Nach Überlegnungen, die Raver auf den Lausitzring zu schicken, hat sich am Freitag der Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) dafür stark gemacht, die Love Parade über die Autobahn A 40 ziehen zu lassen. Der KVR-Vorsitzende Gerd Willamowski schlug vor, die Raver könnten ihren Lastwagenkonvoi vom Berliner Platz in Essen aus über den Ruhrschnellweg zum Hauptbahnhof in Bochum steuern. Der Düsseldorfer FDP-Landtagsabgeordnete Christian Lindner forderte Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) auf, die Abwerbung des Techno-Spektakels zur Chefsache zu machen.

Das Liebesfest der Raver ist auch international zum Exportschlager geworden: Im September findet die erste Love Parade in Barcelona statt, im Dezember ziehen Techno-Enthusiasten durch Buenos Aires.

Parade-Veranstalter Planetcom wollte sich jedoch nicht zu der Frage äußern, ob sie einen Umzug überhaupt ernsthaft in Betracht zieht. Auch über eine mögliche Klage gegen die Entscheidung des Innensenators sei noch nicht entschieden.

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Die Junge Union (JU) hat unterdessen vorgeschlagen, die Parade nicht länger als Demonstration, sondern als eine Veranstaltung ähnlich dem Kölner Karneval einzustufen. Der Berliner JU-Vorsitzende Kai Wegner forderte, die Parade staatlich zu finanzieren. Es sollte dafür ein eigener Posten in den Berliner Landeshaushalt eingestellt werden.

Der Professor für Verwaltungsrecht an der Berliner Humboldt-Universität Ulrich Battis sagte gestern, es gebe keine gesetzliche Vorschrift, derzufolge der Erstanmelder einer Demonstration den Vorrang genösse. Dies sei lediglich die Verwaltungspraxis. Im Übrigen sei auch ein friedliches Nebeneinander der Love Parade und ihrer Gegendemonstration möglich. Da die "Raver" gemeiniglich keine Steine werfen würden, sei ein aufwendiger - und Platz raubender - Polizeischutz der Demonstration nicht nötig.

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