Loveparade oder nicht? : 25.000 Techno-Fans zum Zug der Liebe erwartet

Rund 25.000 Menschen wollen am Sonnabend durch Berlin ziehen und tanzen wie früher. Ein Besuch an der Strecke des Umzugs, der vieles will – nur keine Loveparade sein.

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Friede, Freude, Seifenblasen. Wie in den Anfängen der Loveparade soll es am Sonnabend zugehen. Nachdem die Veranstaltung immer größer war, wendeten sich viele Raver der ersten Stunde ab und gründeten die Gegenveranstaltung Fuckparade, auf der dieses Bild entstand.
Friede, Freude, Seifenblasen. Wie in den Anfängen der Loveparade soll es am Sonnabend zugehen. Nachdem die Veranstaltung immer...Foto: Jörg Carstensen/ picture alliance / dpa

Noch ist alles ruhig. Der Bersarinplatz in Friedrichshain ahnt noch nichts. Am Samstagnachmittag werden sich hier auf der Petersburger Straße einige tausend Leute zum „Zug der Liebe“ treffen. Bisher sind 14 Wagen für den Umzug angemeldet, jeweils mit verschiedenen Themen, doch alle mit Bezug auf die Anfänge der Technobewegung. „Wir haben es schon einmal getan, und nie war es mehr an der Zeit, diesen Weg erneut zu beschreiten. Wir setzen ein Zeichen und zeigen, dass unsere Generation nicht nur ein hedonistisches, unpolitisches und konsumgeiles Feiervolk ist.“ So die Veranstalter. Bei Facebook gibt es bereits 24.213 Zusagen, bei 3026 ist die Teilnahme noch unsicher.

"Vor 20 Jahren war ich 20 Jahre jünger"

Ein Späti-Betreiber an der Ecke Straßmannstraße freut sich schon: „Ich habe vorgesorgt und einiges an Getränken gebunkert“, sagt er. „Soll ja die neue Loveparade sein.“ Loveparade, wie lange ist das her! Eine Nachbarin ist vom Seniorenheim herübergekommen und sinniert: „Vor zwanzig Jahren, da war ich zwanzig Jahre jünger.“ Ruhige Gegend: Asia-Imbiss, Matratzenlager, Änderungsschneidereien. An der Ecke Landsberger verkosten drei ältere Männer das erste Bier des Tages. „Techno ist nicht meine Welle, dieses DumDumDum“, sagt einer. „Ich steh eher so auf die Musik der sechziger, siebziger Jahre. Aber mein Sohn geht hin, der ist 24.“

Loveparade 2010
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29.07.2009 08:30Zum ersten Mal in ihrer Geschichte seit 1989 findet die Loveparade nicht in Berlin statt. 2007 feiern 1,2 Millionen Raver in der...

Spindeldürr und ständig schlecht gelaunt

Die Strecke führt die Danziger Straße hoch bis zur Prenzlauer Allee. Hier hört man einen Chor Presslufthammer, und plötzlich ist die Erinnerung wieder da. Mitte der achtziger Jahre: Der West-Berliner Untergrund war eine düstere Sache. In den Szeneklubs Ex ’n’ Pop und Cri du Chat herrschte eine freudlose Ödnis. Im Risiko stand Blixa Bargeld hinter der Theke und rückte nur gelegentlich ein Bier raus. Im Hinterzimmer zog man ungeniert Kokslinien. Heroin war chic, die Szeneleute waren spindeldürr und ständig schlecht gelaunt. Die Frage, die alle umtrieb, lautete: Wie mache ich mich am schnellsten kaputt? Alle warfen Speed ein, an Schlaf war überhaupt nicht zu denken. Und die Musik, so erinnert sich DJ Tanith, war weniger was zum Tanzen als was zum Leiden.

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"Zug der Liebe" soll keine Loveparade sein
"Zug der Liebe" soll keine Loveparade sein

Und dann kam plötzlich House. Erst nur in ganz vereinzelten Clubs wie der Turbine in Schöneberg, dann plötzlich und ohne Umschweife, eher als Gag gemeint: die erste Loveparade auf dem Kurfürstendamm, vom Wittenbergplatz zum Adenauerplatz und zurück. 1989 mit 150 Leuten, dann von Jahr zu Jahr in stetig ansteigender Raverzahl. Es wurden Tausende, Hunderttausende. Walter, heute 53, weiß noch: „Ich kam aus dieser Industrial-Ecke, war mörderisch in Drogen versackt, dann aus Berlin weggezogen. Ich kam zur zweiten Loveparade zurück.“ Die Musik anfangs gewöhnungsbedürftig gewesen. Banal, sagt er, endlos repetitiv. „Aber wenn du eine Weile im Mix warst, hast du die Zwischentöne mitbekommen. Vor allem: Du hast getanzt. Alle tanzten.“ Und die Leute am Kurfürstendamm schauten entgeistert zu. „Die Spießer haben gejubelt! Standen da mit ihren Plastiktüten und wippten mit“, sagt Walter. „Touristen haben die begleitenden Polizisten gefragt, was hier denn los sei. Die meinten nur: Friede, Freude, Eierkuchen.“ Genau das war das politische Credo der übrigens ordnungsgemäß angemeldeten Demonstration.

Foto: TSP

Bei der dritten Loveparade im Juli 1992, die in einer zehnwöchigen Trockenzeit stattfand, begann es nach der Hälfte des Zuges zu regnen. Die Raver hielten sich für Schamanen, für Regengötter, drehten die Musik noch etwas lauter und tanzten im heruntergehenden Schauer. Die Müllmänner der Stadtreinigung räumten am Ende des Zuges die Flaschen und Dosen auf. In ihren grellorangenen Arbeitskleidern sahen sie den Technojüngern, die eben den soliden Charme der Arbeitskleidung von Straßenreinigung, Feuerwehr und Dachdeckern entdeckten, zum Verwechseln ähnlich.

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