Berlin : Luft- und Raumfahrt statt Riesenrad

Nach dem geplatzten Großprojekt gibt es neue Ideen für das Areal am Zoo Hinter dem Bahnhof soll ein neuer Campus TU und UdK verbinden.

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Entwurf. So könnte es hinterm Bahnhof Zoo bald aussehen. Foto: promo
Entwurf. So könnte es hinterm Bahnhof Zoo bald aussehen. Foto: promo

Dem Quartier hinter dem Bahnhof Zoo, das den Charme eines verwahrlosten Hinterhofs ausstrahlt, soll neues Leben eingehaucht werden. Studentisches Wohnen, ein Gründerzentrum und ein Tagungshotel – das sieht der prämierte Entwurf eines städtebaulichen Wettbewerbs vor, der nach dem Rückkauf des Riesenrad- Grundstücks an der Hertzallee ab 2013 vom Senat und den beteiligten Bezirken Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf realisiert werden könnte. Der Präsident der technischen Universität, Jörg Steinbach, unterstützt diese Pläne.

„Es besteht die große Chance, für dieses Areal eine hochwertige Nutzung in Campusnähe umzusetzen, dauerhafte Brachflächen dürfen an so einem Ort nicht entstehen“, forderte Steinbach. Die TU sei ein starker Magnet für die Ansiedlung außeruniversitärer Einrichtungen, Wirtschaftsunternehmen und Start-ups. Der hässliche Zaun, der die Busendhaltestelle der Berliner Verkehrsbetriebe eingrenzt, könnte durch eine Randbebauung der Hertzallee ersetzt werden, einschließlich Cafés und Läden. Gekrönt durch ein 20-geschossiges Hotel.

So stellen sich jedenfalls die jungen Städteplaner und Architekten von „yellow z urbanism architecture“ (Zürich/Berlin) die östliche Erweiterung des Uni- Campus City West vor, als Bindeglied zwischen TU, Universität der Künste und angrenzendem Stadtgebiet. Vor einem Jahr gewann das Büro einen Ideenwettbewerb für das Gebiet zwischen Hertzallee, Landwehrkanal, Fasanenstraße und Stadtbahn. Mittendrin ein grün überwuchertes Baufeld, auf dem Robinien schon bald ein Wäldchen bilden könnten. Das Filetgrundstück steht seit fünf Jahren leer, weil das 175 Meter hohe Riesenrad ein Pleiteprojekt wurde.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher lobte als Preisrichterin des Wettbewerbs den Siegerentwurf als „klare städtebauliche Idee, die über einen langen Zeitraum entwicklungsfähig ist“. Damit könne sich das TU-Gelände mit Leben füllen. Attraktiv ist das Areal auch wegen der Nähe zum Großen Tiergarten, und es liegt teilweise am Ufer des Landwehrkanals. Unter anderem haben ein Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und das TU-Institut für Mathematik verbindliches Interesse angemeldet, sich dort anzusiedeln.

Der groß angelegte BVG-Busparkplatz hinter dem Bahnhof könnte verkleinert, vielleicht sogar verlagert werden. Der Entwurf von „yellow z“ sieht auf dem gesamten Areal eine vier- bis fünfgeschossige Blockbebauung vor, die an der Fasanenstraße/Ecke Müller-Breslau-Straße bis auf acht Geschosse hochwächst. Für ein solches Konzept müsste das geltende Baurecht geändert werden. Zuständig dafür ist der Bezirk Mitte. Ein Senatsbeschluss für den Rückkauf des Riesenrad-Grundstücks Ende August soll dies möglich machen.

Senatsintern strittig ist offenbar eine Hochhausbebauung. Dies sei „nicht vorgesehen“, teilte die Finanzverwaltung in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen mit. Gerüchte, dass die zulässige Traufhöhe in der Nachbarschaft des virtuellen Riesenrads bei 153,2 Metern läge, wies die Behörde zurück. Beiderseits der Hertzallee läge die zulässige Bauhöhe „deutlich unter diesem Wert“. In der weiteren Umgebung gibt es bisher auch nur zwei Gebäude, die an solche Höhen heranreichen: Das Zoofenster am Hardenbergplatz und der Atlas Tower an der Kantstraße. Ulrich Zawatka-Gerlach

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