Luftfahrtausstellung : Ila-Entscheidung verzögert sich

Die Entscheidung zum künftigen Standort der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung verzögert sich überraschend erneut. Die Probleme beim BBI spielen dabei auch eine Rolle.

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Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) hat seine Entscheidung über den künftigen Standort der Internationalen Luft und Raumfahrtausstellung (ILA) erneut vertagt. Beide Parteien seien aufgefordert worden, ihre am Montag vorgestellten Konzepte und deren Umsetzung zu präzisieren, sagte Verbandssprecher Christopher Bach. Die Vertagung gilt als Misstrauenserklärung gegenüber Berlin und Brandenburg, wo man sich mit der Unterstützung für den geplanten Bau eines neuen ILA-Geländes bei Selchow lange Zeit schwer getan hatte. Beim sächsischen Mitbewerber Leipzig/Halle bewertete man die Vertagung dagegen positiv.

Beide Bewerber hätten innovative Konzepte vorgestellt, doch seien präzisere Angaben erforderlich, betonte der Verbandssprecher. Die weiteren Abstimmungen sollten schriftlich erfolgen, und die Standortentscheidung werde noch vor dem Beginn der diesjährigen ILA fallen, die am Dienstag nächster Woche in Schönefeld von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet wird. Eine erneute Präsidiumssitzung sei nicht erforderlich, erklärte der Sprecher. Nach 2010 findet die ILA wieder 2012 statt.
Bei der Diskussion habe auch die Frage der möglichen Verzögerung bei der Fertigstellung des neuen Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) eine Rolle gespielt, sagte Bach auf Nachfrage. Man habe bei diesem sensiblen Thema aber keine abschließenden Informationen, die man bewerten könne.

Vertagung der Entscheidung kam überraschend

Bei den Präsentationen, die im Hilton-Hotel am Gendarmenmarkt stattfanden, hatten allen voran Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (beide SPD) für den Standort Selchow am künftigen BBI geworben, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) für den Flughafen Leipzig/Halle. Bei den anschließenden Diskussionen sei keine Frage unbeantwortet geblieben, verlautete aus Delegationskreisen. Umso überraschender sei die erneute Vertagung der Entscheidung gekommen.

Wie zu erfahren war, besteht der Verband jetzt darauf, dass die Vertreter beider Bewerber ihre Präsentationen noch einmal in schriftlicher Form und mit den Unterschriften der Verantwortlichen vorlegen. Das soll in kürzester Zeit geschehen. Leipzigs Oberbürgermeister Jung wertete die Vertagung als positives Zeichen und eine Reaktion auf das Konzept, das die Sachsen vorgestellt hätten. Die jetzt geforderten Nacharbeiten könne man kurzfristig liefern. „Nach der Aktenlage müsste die Entscheidung klar sein“, sagte Jung dem Tagesspiegel.

Die ILA findet in diesem Jahr zum letzten Mal auf dem angestammten Gelände im Südteil des Flughafens Schönefeld statt. Das Areal wird anschließend für den Ausbau des BBI benötigt, dessen geplante Inbetriebnahme zum 30. Oktober 2011 aber nach Tagesspiegel-Recherchen inzwischen fraglich ist. Der von Berlin und Brandenburg vorgeschlagene neue Standort bei Selchow am Westrand des künftigen BBI galt bisher als Favorit des BDLI. Er ist auch in einer Eckpunktevereinbarung festgeschrieben, die nach Ansicht von Juristen durchaus den Charakter eines bindenden Vertrages haben könnte.

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