Berlin : Lufthansa: Frankfurt-Flieger könnten vor Wut in die Luft gehen

Jörn Hasselmann

"Grabesruhe" erwartet die Lufthansa heute am Flughafen Tegel. Denn 60 der 120 Flüge von und nach Berlin fallen aus, weil die Piloten streiken. "Auf Hauptstrecken geht nichts mehr", sagte Lufthansa-Sprecher Weber gestern: Frankfurt am Main, Köln/Bonn, München, Düsseldorf und Stuttgart. "Auch die Flüge nach Moskau und Washington haben wir nicht retten können." In Tempelhof dagegen wird normal geflogen, denn die Lufthansa-Tochter mit den Minimaschinen wird nicht bestreikt. Vom Drehkreuz Frankfurt aus habe man ein Notprogramm für Interkontinentalflüge auf die Beine gestellt, etwa 20 Maschinen sollen morgen dort nach Asien und in die USA starten.

Auf der Strecke Berlin-Frankfurt hat der Streik massive Folgen. Denn auf dieser Route hat die Lufthansa ein Monopol - es bleibt also nur die Schiene. Sonderzüge hat die Lufthansa jedoch noch keine bestellt, die Deutsche Bahn rechnet damit, dass die Kapazität der fahrplanmäßigen ICE reichen wird. Ein ICE habe 720 Sitzplätze, fast dreimal soviel wie ein Airbus nach Frankfurt. "Fluggäste können sich einfach mit dem Lufthansa-Ticket bei uns in den Zug setzen", wirbt Bahnsprecher Andreas Fuhrmann.

Nach Frankfurt Hauptbahnhof fährt stündlich ein ICE am Bahnhof Zoo ab zur Minute 41, die Züge brauchen 4.31 Stunden. Zum Frankfurter Flughafen fahren am Zoo ab 6.21 Uhr etwa alle zwei Stunden zusätzliche Züge, die allerdings den Umweg über Düsseldorf nehmen und deshalb länger brauchen. "Wenn was grob überfüllt ist, setzen wir zusätzliche Züge ein", sagte Bahnsprecher Fuhrmann. Die Lufthansa will ihren Kunden sogar die Differenz erstatten, wenn die Bahnfahrkarte billiger ist.

Wer partout nicht auf die Schiene umsteigen will, muss schnell sein - und telefonieren. Beim direkten Lufthansa-Konkurrenten, der Deutschen BA, gab es gestern kaum noch Tickets. "Das Interesse ist groß", hieß es bei der Deutsche BA-Reservierungszentrale: "Die haben alle Angst, dass sie nicht mehr wegkommen." Begehrt, aber fast weg seien BA-Flüge nach Düsseldorf und München. Wo es noch freie Plätze gibt, kann das Lufthansa-Ticket "umgebucht" werden, die BA holt sich das Geld bei der Lufthansa wieder. Mehrkosten für Flüge mit anderen Linien sollen "nicht am Kunden hängenbleiben".

Froh ist die Lufthansa, dass die Vereinigung Cockpit jeweils donnerstags streiken will. Denn dieser Tag ist wie der Mittwoch schwächer frequentiert. Die wenigen Piloten, die nicht in der Gewerkschaft sind, gewähren heute ein Mini-Not-Programm: Dreimal startet in Tegel ein Airbus A 321 nach Frankfurt, und zwar um 7, um 11 und um 15 Uhr. Dort dürfe aber nur einsteigen, wer einen Anschluss in Frankfurt erreichen muss - oder wer ein 1.-Klasse-Ticket hat. Sonst fliegt die Lufthansa 16 mal am Tag nach Frankfurt.

Trotz des Streiks gibt es heute Flüge zu acht deutschen Zielen: Bremen, Dortmund, Friedrichshafen, Mannheim, Münster, Nürnberg, Saarbrücken und Hamburg. An die Elbe jedoch fliegen nur drei City-Jets, die drei "großen" Maschinen fallen aus. Auch acht europäischen Ziele werden bedient: Amsterdam, Brüssel, Kopenhagen, London City-Airport, Luxemburg, Mailand, Paris und Wien. Gestreikt wird auch bei der Lufthansa-Tochter Condor, die Charter fliegt. Die beiden Flüge von Schönefeld nach Rhodos und Larnaca sollen aber planmäßig starten. Unklar war gestern, ob auch die Maschine nach Mallorca abheben kann.

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