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Lufthansa : Streik in Tegel offiziell vorbei - aber weitere Ausfälle möglich

Der Streik der Lufthansa-Flugbegleiter in Berlin Tegel ist seit 13 Uhr beendet. Trotzdem können auch weiterhin noch einzelne Flüge ausfallen. Fortgesetzt wird der Arbeitskampf nun in München.

von , und Christine Reißing
Chaos an den Lufthansa-Schaltern: Erstmals müssen auch in Berlin die Passagiere mit erheblichen Behinderungen rechnen. Am Dienstagmorgen um fünf Uhr legten in Berlin-Tegel die Lufthansa-Flugbegleiter ihre Arbeit nieder.Alle Bilder anzeigen
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04.09.2012 10:05Chaos an den Lufthansa-Schaltern: Erstmals müssen auch in Berlin die Passagiere mit erheblichen Behinderungen rechnen. Am...

Die Flugbegleiter der Lufthansa haben am heutigen Dienstag acht Stunden lang den Flughafen in Berlin Tegel bestreikt. Die Arbeitsniederlegung begann um fünf Uhr und endete um 13 Uhr. In Tegel musste die Lufthansa bis zum Mittag 16 Flüge streichen, 24 konnten durchgeführt werden. Das sagte Lufthansasprecher Wolfgang Weber dem Tagesspiegel. "Weniger als die Hälfte der Flüge musste also gestrichen werden." Doch auch am Nachmittag könne es noch zu Behinderungen kommen, so Weber. Vor allem die Strecke nach München, wo seit 13 Uhr gestreikt wird, dürfte "stark beeinträchtigt" werden.

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Am Drehkreuz Frankfurt am Main begann der Streik um sechs Uhr morgens. Hier fielen bis zum frühen Nachmittag 247 Flüge aus, davon 114 ankommende und 136 abgehende. 28 Flüge davon waren Interkontinentalflüge, sagte ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung. Die Luftraumkontrolleure mussten zudem den Betrieb in Frankfurt einschränken. Statt der üblichen 47 Landungen die Stunde erlaubten sie zeitweilig nur 30, da die Stellplätze für Maschinen knapp wurden. Ab 15.30 Uhr aber sollte diese Einschränkung aufgehoben werden. Frankfurt ist mit 360 Flügen am Tag der wichtigste Flughafen für die Lufthansa.

Seit 13 Uhr ist auch der Flughafen in München von den Streiks betroffen. Die Lufthansa will nach Angaben eines Sprechers in München von den im Streikzeitraum geplanten 450 Flügen dennoch bis zu dreiviertel fliegen lassen. Oberste Priorität habe dabei die Abwicklung der etwa 20 geplanten Interkontinentalflüge. Zugute kommt der Fluggesellschaft in München, dass dort ungefähr die Hälfte ihres Flugaufkommens von Töchtern wie Germanwings oder Cityline abgewickelt wird, bei denen nicht gestreikt wird. Dennoch bereitet sich die Airline auch in München auf eine massive Behinderung des Flugverkehrs vor.

Hier sehen Sie Bildern von den Streiks in Berlin, Frankfurt und München

Lufthansa-Streiks in Frankfurt, Berlin und München
Chaos an den Lufthansa-Schaltern: Erstmals müssen auch in Berlin die Passagiere mit erheblichen Behinderungen rechnen. Am Dienstagmorgen um fünf Uhr legten in Berlin-Tegel die Lufthansa-Flugbegleiter ihre Arbeit nieder.Alle Bilder anzeigen
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An allen drei Streikstandorten wurden im Vorfeld der Streiks bereits 400 Flüge gestrichen, sagte Nicoley Baublies, Chef der Kabinengewerkschaft Ufo, dem Tagesspiegel. Betroffen seien Flüge in Deutschland und Europa, aber auch Interkontinentalverbindungen. Insgesamt dürfte sich die Gesamtzahl der gestrichenen Flüge am Dienstag auf 600 bis 700 summieren, schätzt Baublies. Der Streik in Frankfurt habe auch Probleme bei Anschlussflügen verursacht, die die Lufthansa nicht in den Griff bekommen könne. Mittlerweile gebe es auch bei Anschlussflügen an anderen Airports Probleme, zum Beispiel in Düsseldorf. Auch Flüge aus dem Ausland seien annulliert worden.

Mit der Beteiligung am Streik in Berlin-Tegel zeigte sich Ufo-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang zufrieden. Es sei so gut gelaufen "wie beim ersten Mal", sagte er dem Tagesspiegel. Dass die erneuten Streiks die erwünschten Reaktionen der Lufthansa-Führung im Tarifkonflikt hervorrufen werden, bezweifelt er hingegen. Er spricht von "verhärteten Fronten".

Video: Ufo-Streiks in Berlin, Frankfurt und München

Lufthansa-Sprecher Klaus Walther sagte dem Sender n-tv: „Ich glaube, es ist ziemlich arrogant, was die Gewerkschaftsführung gegenüber unseren Kunden macht.“ Er kritisierte, dass Ufo erst die Streiks in Frankfurt am Main und Berlin-Tegel ankündigte und erst am Morgen den Ausstand in München bekanntgab. Zuvor hatte die Gewerkschaft ihrerseits der Fluggesellschaft Arroganz vorgeworfen, nachdem die Lufthansa kein neues Angebot vorgelegt hatte.

Der Streik hat auch Auswirkungen auf Lufthansas größten Konkurrenten hierzulande, die Air Berlin: Dort sei es in Frankfurt zu "einigen geringfügigen Verspätungen" am Dienstagvormittag gekommen, da die Abflug-Zeitfenster knapp seien, sagte eine Sprecherin dem Tagesspiegel. Air Berlin reagierte darauf mit dem Einsatz größerer Maschinen auf den Strecken zwischen Berlin-Tegel und Frankfurt, Tegel und Köln und Tegel und Düsseldorf. Diese seien auch "gut ausgelastet", sagte sie.

Die Gewerkschaft Ufo hat in den seit 13 Monaten andauernden Verhandlungen nach drei Jahren Nullrunden neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs verlangt. Lufthansa plant hingegen mittelfristige Einsparungen bei den Personalkosten und will dafür unter anderem die Beförderungsstufen strecken. Lufthansa beschäftigt nach eigenen Angaben rund 18.000 Flugbegleiter, Ufo spricht hingegen von 19.400 Arbeitnehmern. Das Unternehmen bietet bisher 3,5 Prozent mehr Gehalt sowie den Verzicht auf Leiharbeit und betriebsbedingte Kündigungen. An den Plänen zu einer internen Billiglinie hält die Lufthansa aber fest.

Ende der vergangenen Woche hatte der achtstündige Ausstand in Frankfurt a. M. dazu geführt, dass allein bei der Lufthansa 190 Flüge ausfielen und 26000 Passagiere nicht oder nur verspätet an ihre Ziele gelangten. Zeitweilig war Deutschlands größter Flughafen komplett lahmgelegt. Vom Streik am Mittwoch waren nach Lufthansa-Angaben mindestens 43000 Fluggäste betroffen.

(mit AFP, dpa)

Lesen Sie hier, was betroffene Fluggäste bei einem Streik wissen müssen.

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