Lufthansa-Streik : Pfeifkonzert zum Empfang in Tegel

Fotoapparat gezückt: Ankommende Passagiere am Flughafen Tegel wurden am Donnerstag von demonstrierenden Verdi-Mitgliedern empfangen. Die Gewerkschaft verstärkt zwar den Streik, trotzdem fallen nur wenige Lufthansa-Flüge aus.

Rainer W. During
Tegel
Gewerkschaftliches Willkommen in Tegel. Verdi-Mitglieder demonstrieren vor dem Flughafengebäude. -Foto: dpa

Für die ankommenden Passagiere am Flughafen Tegel waren die fahnenschwingenden Verdi-Mitglieder vor der Abflughalle das erste willkommene Foto-Motiv. Mit Trillerpfeifen und in Begleitung einer Trommlergruppe marschierten die Streikenden der Lufthansa gestern Vormittag vor dem Terminal auf und ab. Für die Flugblätter, in denen die Lufthansa-Streikenden in deutscher und englischer Sprache über die Gründe für ihren Ausstand informierten, interessierte sich fast niemand.

Vier Flüge fielen gestern wegen des Lufthansa-Streiks in Tegel aus. Doch obwohl die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi den Arbeitskampf gestern auf weitere Firmenbereiche ausdehnte, konnten alle Passagiere befördert werden, zum Teil allerdings mit mehrstündigen Verspätungen. Die Fluggäste wurden auf andere Maschinen umgebucht. Bundesweit wurden nach Angaben der Lufthansa 128 der insgesamt rund 2000 Flüge gestrichen. Während gestern wieder Gespräche zwischen den Tarifparteien aufgenommen wurden, will die Lufthansa mit einem Sonderflugplan auch bei einer Fortsetzung des Streiks in den kommenden Tagen den Betrieb gewährleisten.

Knapp 100 der noch rund 4000 Berliner Lufthansa-Mitarbeiter hatten sich vor dem Flughafengebäude in Tegel versammelt. Während Vorstände und Aktionäre „richtig gut bedient worden sind“, soll der Belegschaft „ihr Anteil am Rekordgewinn“ verwehrt werden, rief Gewerkschaftssekretärin Doris Fiedler unter Beifall ins Megafon. „Unsere Aktionen zeigen die erste Wirkung“, sagte Technik-Betriebsrat Lutz Dawurske, als die Meldung von der Wiederaufnahme informeller Gespräche bekannt wurde.

Wenig Verständnis für den Streik zeigte eine Frau aus Stuttgart, die wegen der Streichung ihres Fluges erst dreieinhalb Stunden später starten konnte: „Ich arbeite im Einzelhandel, wenn ich da für mehr Geld streike, werde ich sofort entlassen.“ Zwei junge Berlin-Besucherinnen aus Baden-Württemberg fanden den Protest der Lufthanseaten dagegen „in Ordnung“. Drinnen verlief der Betrieb fast normal, nur einzelne Flüge von und nach Düsseldorf, Frankfurt und München sowie ein Flug nach Brüssel fielen aus. Laut Gewerkschaft streikt in Berlin zwar seit gestern auch das Kabinenpersonal, doch gibt es dort kaum Verdi-Mitglieder. So befanden sich laut Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber nur drei der 250 in Berlin stationierten Flugbegleiter im Ausstand.

Mit dem seit gestern geltenden Sonderflugplan können 94 Prozent aller Lufthansa-Flüge planmäßig verkehren, sagte Weber. Dazu wurden auch Maschinen anderer Fluggesellschaften gechartert. „Es bleibt niemand stehen“, versicherte Weber. Auf den gewohnten Bordservice musste allerdings teilweise verzichtet werden, weil auch in den Bordküchen der Lufthansa-Tochter LSG gestreikt wird.

Auch andere deutsche Flughäfen meldeten keine besonderen Schwierigkeiten. „Aus unserer Sicht läuft das alles problemlos“, sagte ein Sprecher des Flughafens Frankfurt, der Heimatbasis der Lufthansa. Am zweiten Drehkreuz der Airline in München hatten nur einzelne innerdeutsche Flüge gestrichen werden müssen.

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