Berlin : Lufthansa: Streikenden Piloten bläst Wind ins Gesicht

Jörn Hasselmann

Am dritten Lufthansa-Streiktag wurde die Stimmung schlechter. 55 der 130 Flüge fielen in Tegel aus, auch die nach Washington und Moskau, etwa 5000 Passagiere mussten sich eine alternative Fortbewegung suchen. Viermal immerhin pendelte gestern zwischen Tegel und Frankfurt ein Airbus für Reisende, die dort einen Anschlussflug erreichen mussten. Planmäßig gibt es 16 Verbindungen auf dieser Strecke, für die die Lufthansa übrigens ein Monopol hat. Etwa 40 000 Passagiere stiegen bundesweit in die Bahn um. "Routine stellt sich ein", sagte Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber. Viele Fernflüge sollten in Frankfurt am heutigen Freitag kurz nach Mitternacht abheben, denn der Streik ist nur für die Donnerstage angemeldet. Der Ferienflieger Condor, der auch bestreikt wird, zog 13 von 70 Flüge auf den Mittwochabend vor. Der Notflugplan der Lufthansa sei gestern dichter gewesen als vergangene Woche, betonte Weber. Dies zeige, das die Streikfront bröckele.

Denn den streikenden Piloten bläst der Wind immer schärfer ins Gesicht. Die in Tegel stehen gelassenen Passagiere reagierten gereizter - das Wort "Frusthansa" machte die Runde. Das Bodenpersonal schmäht die Vereinigung Cockpit (VC) mittlerweile als "Viel Cash". Sauer sind auch die Reisebüros. "Die Lufthansa zum Anfassen gibt es ja nicht mehr", sagte die Besitzerin eines der 18 "Lufthansa City Centers" in Berlin, "die Kunden toben sich jetzt bei uns aus". Die City Centers werden im Franchise-System betrieben, die Inhaber sind also selbstständig, werden aber von der Lufthansa gezwungen, die Tickets gratis umzutauschen. "Wir reservieren Flüge, stellen die Tickets aus und müssen sie dann gratis wieder zurücknehmen", schäumt die Frau aus dem City Center. "Das kostet uns Zeit und Geld, und die Lufthansa lässt mich darauf sitzen." Ärgerlich sei auch, dass viele Kunden durch die völlige Überlastung der Lufthansa-Nummer 0800-100 9499 in den Reisebüros anriefen.

Bekanntlich hatte die Lufthansa ihr eigenes Kundenzentrum am Kurfürstendamm vor fünf Jahren geschlossen, heute ist ein City Center auf der anderen Straßenseite. "Der Aufwand für uns ist schon wesentlich höher", bestätigt Guido Butscher, der dort für die Firmenkunden zuständig ist. Eine Umbuchung dauere etwa 10 Minuten, also fünf Mal so lange wie eine Neubuchung. Durch den großen Andrang etwa bei der Deutschen BA benötige man so viel mehr Zeit, bis man einen freien Platz im Computer gefunden hat. Der Deutsche Reisebüroverband bestätigte, das die Kunden gereizter seien. "Das merken die Leute in den Reisebüros, die Belastung ist höher", sagte Sprecherin Sibylle Zeuch.

Nur die Konkurrenz freut sich. Die Deutsche BA war gestern wieder komplett ausgebucht, und die Deutsche Bahn verdiente auch mehr Gel als an anderen Tagen. Statt 400 000 Reisenden saßen 440 000 in Fernzügen. Die beiden ICE-"Sprinter"-Züge von Berlin nach Frankfurt fuhren mit doppelt so viel Waggons wie sonst und waren dennoch "sehr, sehr gut ausgelastet", sagte Bahnsprecher Andreas Fuhrmann.

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