Berlin : Lufthansa will Planungssicherheit

Berlin-Chef: Mögliche Gefährdung des Ausbaus in Schönefeld ist „Gift für den Standort“

Klaus Kurpjuweit

In der Berliner Luftfahrtpolitik hat die Lufthansa jetzt Planungssicherheit gefordert. Das Hick-Hack um einen möglichen Weiterbetrieb in Tempelhof, der den Ausbau Schönefelds gefährden könne, „beunruhige“ das Unternehmen, sagte gestern der Berliner Lufthansa-Bevollmächtige Thomas Kropp. Es bestehe die Gefahr, dass das BBI-Projekt europaweit „ins Gerede“ komme. Berlin könne damit erneut in der Luftfahrtpolitik das Nachsehen haben. Warschau, Wien oder Kopenhagen könnten die Rolle übernehmen, die Berlin und Brandenburg mit dem BBI schaffen wollen – unter anderem rund 40 000 Arbeitsplätze. Die Diskussionen seien „Gift für den Standort Berlin“, sagte Kropp im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Die Überlegungen zur Zukunft Tempelhofs dürften das BBI-Projekt in Schönefeld „nicht in Zweifel ziehen“.

Tempelhof muss spätestens nach der Inbetriebnahme von BBI in Schönefeld komplett geschlossen werden. Es gibt aber Versuche, den Flugbetrieb fortzusetzen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Friedbert Pflüger, der sich dafür einsetzt, in Tempelhof weiter- zufliegen, will dabei, wie er sagt, den BBI-Ausbau ebenfalls nicht gefährden. Man solle aber die Zeit bis zur BBI-Eröffnung nutzen, alle Konzepte für Tempelhof zu prüfen – auch das CED-Konzept des amerikanischen Managers Fred Langhammer, das einen weiteren Flugbetrieb vorsieht. Deshalb solle der Flugbetrieb bis zur BBI-Eröffnung weitergehen.

Kropp ist dagegen. Schon in der Vergangenheit habe die Lufthansa mehrfach kritisiert, dass sie und die anderen ab Tegel fliegenden Gesellschaften mit ihren hohen Gebühren den defizitären Tempelhof-Betrieb mitfinanzieren müssten. Sollte der Flugbetrieb fortgesetzt werden, was auch nach der Gerichtsentscheidung zum vorzeitigen Schließungstermin 2007 oder 2008 möglich wäre, müssten die Nutzer von Tempelhof durch höhere Gebühren die Kosten selbst ausgleichen, sagte Kropp.

Diese Kosten will nach Angaben eines Sprechers die Bahn übernehmen, wenn sie den von ihr beantragten Zuschlag für den Betrieb des Flughafens erhalten sollte. Doch auch hier ist Kropp skeptisch. Er bezweifelt, ob die Bahn ihr Angebot wirklich ernst meint. „Vor einem Jahr war es der Hafen im Hamburg, jetzt ist es der Flughafen Tempelhof. Und morgen?“

Die Lufthansa habe bisher voll auf den Ausbau in Schönefeld gesetzt und dafür auch schon erhebliche Summen investiert. Zahlreiche Fachleute beschäftigten sich schon mit der BBI-Eröffnung 2011/12. Bleibe die Unsicherheit, wie es mit BBI weitergeht, müsse sich auch die Lufthansa zurückhalten. Andere Investoren, die Interesse an Schönefeld haben, seien inzwischen auch verunsichert.

Berlin habe in der Luftfahrtpolitik bereits 15 Jahre verloren und die Entwicklung verpasst. In dieser Zeit habe sich München zum zweiten Drehkreuz in Deutschland entwickelt. Jede weitere Verzögerung schade dem BBI-Projekt. Die derzeitigen Diskussionen seien „ein Spiel mit dem Feuer an einem Benzinfass“, so Kropp.

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