Berlin : Luftkampf am Potsdamer Platz

Gestern sollte „Der Rote Baron“ Weltpremiere feiern, mit Matthias Schweighöfer als Hauptdarsteller

Andreas Conrad

Snoopy wäre begeistert. Ein Sopwith-Camel-Doppeldecker unterm Sony-Zeltdach! Die Maschine, in deren Cockpit er sich, auf seiner Hundehütte reitend, so oft hineinfantasiert hatte, um seinem Erzfeind, dem legendären Red Baron, im wilden Kurvenkampf hinterherzujagen. Obwohl: „Kriegst mich nicht“, steht auf der deutschen Albatros D II, die davor an Seilen vom Zelthimmel hängt. In einer Maschine dieses Typs hatte Manfred von Richthofen viele seiner Luftsiege errungen, bevor er einen Monat vor seinem eigenen Abschuss am 21. April 1918 in den roten Dreidecker, die Fokker DRI, umstieg. Auch solch ein Jagdflugzeug war gestern im Sony-Center aufgebaut, wichtigster Teil der Kulisse für die abendliche Weltpremiere des Kriegsfilms „Der Rote Baron“.

Der Pilot der britischen Sopwith, Joseph Fiennes alias Captain Roy Brown, war kurzfristig verhindert, musste die Filmfeier aus seinem Terminplan streichen. So blieb die Hauptlast beim obligatorischen Dauerinterview am Nachmittag wie auch am Abend für das Winken, Händeschütteln und Autogrammschreiben vor allem an Matthias Schweighöfer hängen, Darsteller der Titelfigur, der immerhin den Regisseur Nikolai Müllerschön, die Produzenten Dan Maag und Thomas Reiser sowie einige Nebendarsteller zur Seite hatte, darunter Volker Bruch, der Richthofens Bruder Lothar spielt.

Eineinhalb Jahre liegen die Dreharbeiten schon zurück, monatelang stand Schweighöfer in Prag vor der Kamera. Von dem Jagdpiloten, dem mit 80 Luftsiegen erfolgreichsten des Ersten Weltkriegs, wusste er vorher nicht sehr viel, hatte sich in seiner Kindheit für solche Kriegsspiele nie interessiert. „Da gab’s coolere Dinge als Fliegen – zum Beispiel bei den Proben der Eltern dabei zu sein.“ Die sind ebenfalls Schauspieler. An der Seite der Mutter hatte der kleine Matthias mit drei Jahren zum ersten Mal auf der Bühne gestanden, in Brechts „Kaukasischem Kreidekreis“. Auch diesmal war Gitta Schweighöfer dabei, als Mutter des Piloten.

Mit der Fliegerei hat es Schweighöfer nicht so sehr, auf Gedeih und Verderb dem Piloten ausgeliefert zu sein, bereitet ihm Unbehagen. Zum Glück musste er für die Dreharbeiten nicht in die Luft gehen, alle Kurbelei spielte sich am sicheren Boden ab, erst mit Computerhilfe wurden die Luftkämpfe in den Himmel verlegt.

Zur Vorbereitung hat der Schauspieler viele Bücher über den Roten Baron gelesen, darunter auch dessen Autobiografie. Der Film sei aber kein Dokumentar-, sondern ein Spielfilm, betont Schweighöfer. Die Zweifel Richthofens an seiner Rolle als Kriegsheld, wie sie der von Schweighöfer gespielten Figur kommen, habe es zwar tatsächlich gegeben, aber insgesamt interessierte den Schauspieler weniger die historische Figur, sondern die ihn herausfordernde Drehbuchrolle: Wie ein junger Pilot, der eigentlich nur fliegen will, sich zu einem ekligen, arroganten Typen entwickelt, doch zuletzt an sich zweifelt. Richthofen, das ist für Schweighöfer ein Vorläufer der modernen Popstars, „ein Megastar, weil er dazu gemacht wurde, und der sich damit arrangieren muss“. Zugleich sei er Rebell gewesen, in dessen Staffel die Mannschaften eben nicht salutieren mussten, wenn Offiziere kamen. Parallelen sieht er sogar zu Friedrich Schiller, Schweighöfers großer Rolle 2005, für ihn nicht einfach ein toter Dichter, sondern der „James Dean des 18. Jahrhunderts“.

„Der Rote Baron“ kommt am 10. April in die Kinos.

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