Luftschiffhafen : Olympia-Stützpunkt in Potsdam wird bei Schneefall geräumt

Die Halle am Potsdamer Luftschiffhafen muss bei Schneefall geräumt werden.

Luisa Müller, Katharina Wiechers
Bisher mussten eher Berlins Feuerwehrleute Hochleistungen zeigen, wenn mal wieder zu viel Schnee fiel. Nun müssen auch Potsdams Athleten Einsatz zeigen: Wenn es schneit, müssen sie raus aus der Halle.
Bisher mussten eher Berlins Feuerwehrleute Hochleistungen zeigen, wenn mal wieder zu viel Schnee fiel. Nun müssen auch Potsdams...Foto: dpa

Die Sportler am Luftschiffhafen wurden kalt erwischt: Die Leichtathletik- und die Schwimmhalle am Potsdamer Olympiastützpunkt müssen im Winter schon bei leichtem Schneefall geräumt werden. Dies geht aus einem Gutachten über die Standfestigkeit der Hallen hervor, wie die Stadtverwaltung nun mitgeteilt hat. Die Sportler müssen sich am Luftschiffhafen auf wichtige Wettkämpfe vorbereiten – nicht zuletzt auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016.
Allein in der Leichtathletikhalle trainieren rund 300 Sportler regelmäßig, sie bereiten sich zum Beispiel auf die Leichtathletik-Europameisterschaften und die U20-Weltmeisterschaften im kommenden Jahr vor. Im Januar sollen in der Halle außerdem die Berlin-Brandenburgischen Leichtathletik-Meisterschaften stattfinden – falls es schneit, müssten diese nun abgesagt werden. Auch für die 150 Schwimmer, die die Schwimmhalle täglich nutzen, wäre eine Schließung bei jedem Schnee ein großes Problem, wie Trainer Jörg Hoffmann sagte. „Und für die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im kommenden Jahr wäre es katastrophal.“ Hoffmann trainiert in der Halle am Luftschiffhafen unter anderem den Olympia-Kandidaten Yannik Lebherz. Entspannt reagierte hingegen Jörg Weber, Athletiktrainer bei den Bobsportlern. „Wir sind ja Wintersportler, dann gehen wir eben raus“, sagte er.

Im Olympiastützpunkt Potsdam trainieren 300 Sportler - auch für Olympia 2016 in Rio

Unklar ist, wie lange die Hallen schon derart instabil sind und ob die mangelnde Tragfähigkeit eine Folge der Sanierung vor zehn beziehungsweise 13 Jahren ist – die Gefahr also möglicherweise schon lange besteht. Laut Stadtsprecher Stefan Schulz wurden bislang nur sogenannte Sichtkontrollen durchgeführt, erst dieses Mal wurden Bausubstanz und Dachtragwerk genau untersucht. Mehreren Nutzern zufolge soll bei der Sanierung gepfuscht worden sein: Angeblich wurde damals der alte Dachbelag nicht ausgetauscht, sondern der neue einfach über den alten gelegt – was auch die Probleme mit der Traglast erklären würde. Die 2003 abgeschlossene Sanierung der Leichtathletikhalle hatte 11,2 Millionen Euro gekostet. Die Generalüberholung der Schwimmhalle drei Jahre zuvor kostete rund zehn Millionen Euro.
Die Stadt beziehungsweise die Luftschiffhafen GmbH – eine 100-prozentige Tochter der städtischen Pro Potsdam – muss nun entscheiden, wie sie bei Schneefall reagiert. Laut Schulz wird derzeit geprüft, ob die Dächer dann geräumt werden können oder etwa eine Heizung installiert wird, die zumindest geringe Schneemengen direkt abschmilzt und das Wasser vom Dach leitet. Auf Dauer werde man aber um eine Sanierung nicht herumkommen, sagte Schulz. Er rechnet mit einem siebenstelligen Betrag „im unteren Bereich“. Woher dieser kommen soll, ist aber noch völlig unklar.



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