Berlin : Luftschloss

Susanne Vieth-Entus

Am Befund gibt es keinen Zweifel: An 60 Prozent der Berliner Hauptschulen herrschen Bedingungen, die eine „außerordentlich schädliche Wirkung auf die Leistungsentwicklung von Jugendlichen“ haben. So haben es gerade erst Deutschlands renommierteste Bildungsforscher festgestellt. Noch schrecklicher als dieser Satz ist die Realität, die sich dahinter verbirgt. Da gibt es ganze Schulen, die nur noch das Chaos verwalten. Und da gibt es Klassen, die fast ausschließlich aus Kriminellen bestehen. Und selbst wenn eine Hauptschule gut funktioniert, bleibt es doch dabei, dass dort niemand freiwillig hingehen würde, weil schon das Wort „Hauptschule“ den Kindern im zarten Alter von zwölf Jahren das Gefühlt gibt, Versager zu sein.

Die ach so sozial gestrickte, neue und alte Koalition hat auf dieses Desaster keine andere Antwort als die, ein Luftschloss zu bauen. Und dieses Luftschloss, genannt „Gemeinschaftsschule“, absorbiert alle finanziellen und organisatorischen Ressourcen derart, dass ausgerechnet für die Kinder, die es am nötigsten hätten, nichts übrig bleibt.

Am Zeit- oder Papiermangel kann es nicht gelegen haben, dass SPD und Linkspartei keine einzige Verbesserung für die Hauptschulen in ihrer Vereinbarung festzurrten. Dort gibt es sogar einen ganzen Abschnitt zum „Umgang mit der Vielfalt der sexuellen Identitäten“, die „ verbindlicher Bestandteil der Lehrerausbildung werden soll“. Für die Hauptschulen aber blieb nur ein einziger Satz übrig, der da lautet, dass die Kooperation von Haupt- und Realschulen weiterhin ausgebaut werden soll. Das aber ist gesetzlich ohnehin vorgesehen und bleibt – unverbindlich.

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