Lungenentzündung (Pneumonie) : 10 000 Liter Luft pro Tag

Die Lunge

hat die größte Fläche des Körpers, die mit der Umwelt in Kontakt kommt, sagt Andreas Wilke, leitender Oberarzt an der evangelischen Lungenklinik in Buch. Während die Haut eines Erwachsenen rund zwei Quadratmeter bedeckt, nimmt die Lunge mit ihren feinen Verzweigungen und Lungenbläschen ausgeklappt die 50-fache Fläche ein. Das Organ filtert täglich die Menge Luft eines Heißluftballons: 10 000 Liter.

Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 800 000 Menschen an einer außerhalb des Krankenhauses (ambulant) erworbenen Pneumonie. Diese Krankheit ist aber auch eine typische Infektion, mit der sich die bereits gesundheitlich angeschlagenen Patienten in einer Klinik infizieren können. Diese Form wird dann nosokomiale Pneumonie genannt und gilt als Komplikation einer Krankenhausbehandlung.

Die häufigsten Erreger der Lungenentzündung, die Pneumokokken, sind eigentlich harmlose Bakterien, die auch häufig Bestandteil der normalen Mundflora sind. Diese können trotzdem für die Lunge gefährlich werden, wenn die Immunabwehr geschwächt ist, etwa durch eine Grippe oder durch massiven Stress. Aber auch andere Erreger können eine Lungenentzündung auslösen, wie die Legionellen.

Symptome: Durch den Entzündungsprozess werden die Lungenbläschen mit Eiter überzogen, der die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid behindert. Je größer die betroffene Fläche, desto größer das Risiko schwerer Komplikationen, wie zum Beispiel Atemnot oder bleibende Lungenschäden. Hohes Fieber (über 38,3 °C) und Schüttelfrost, Husten mit Auswurf oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl in Verbindung mit Kopf- und Gliederschmerzen können Zeichen einer schweren Infektionserkrankung sein. Dann sollte der Hausarzt aufgesucht werden.

Therapie: Eine Lungenentzündung wird in der Regel mit Antibiotika behandelt.

Doch das reicht nicht immer. Insgesamt müssen fast 240 000 Patienten pro Jahr stationär behandelt werden. Dies ist nötig, wenn neben der nachgewiesenen Infektion mit den Erregern mindestens eines von vier weiteren Kriterien erfüllt ist: beschleunigte Atmung mit über 30 Atemzügen pro Minute, Blutdruck unter 60 zu 90, Verwirrtheit oder ein Alter über 65 Jahre. Warum dann ein Krankenhausaufenthalt so wichtig, erklärt Oberarzt Wilke mit den besseren Möglichkeiten für die Diagnostik. „Kein niedergelassener Arzt kann zum Beispiel eine Blutgasanalyse durchführen." Diese sei nötig, um festzustellen, ob die Lunge den Körper noch mit ausreichend Sauerstoff versorgen kann. Außerdem lässt sich in der Klinik besser diagnostizieren, ob bereits Erreger ins Blut gelangt sind und eine Blutvergiftung droht. Hinzu kommen die besseren Überwachungsmöglichkeiten des Patienten rund um die Uhr, die ein frühes Eingreifen bei Komplikationen ermöglichen.

Sterblichkeit: Die Lungenentzündung ist eine schwere Erkrankung, die zum Tod führen kann. Nach der Statistik der Weltgesundheitsorganisation ist die Pneumonie die weltweit häufigste zum Tod führende Infektionskrankheit. Zum Beispiel, weil die Organe des Körpers durch eine Blutvergiftung versagen oder der Patient erstickt, weil die Lunge nicht mehr funktioniert. Von den ambulant behandelten Pneumonien versterben weniger als ein Prozent der Patienten. Von den Kranken, die aufgrund der Lungenentzündung ins Krankenhaus aufgenommen werden, überleben fünf bis zehn Prozent nicht. Und bei denen schließlich, die wegen schwerer Komplikationen auf der Intensivstation behandelt werden müssen, sterben zehn bis dreißig Prozent.

Informationen:

www.lungenaerzte-im-netz.de (gut laienverständlich aufbereitet)
www.capnetz.de (sehr detailliert, eher für Fachleute gedacht)

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