Berlin : Lust auf Hochprozentiges

Es ist Zeit für Schokolade. Zehn Gründe, warum sie jetzt gut tut – auch mit großem Kakaoanteil

Johanna Lühr

Der Herr von Fassbender & Rausch isst jeden Tag genau 40 Gramm. Zum Frühstück ein kleines Stück und so geht das dann den Tag über weiter. Insgesamt einen Riegel, am liebsten die dunkle, 70-Prozentige. Der Mann muss es wissen, ist er doch Restaurantchef im ersten Schokoladenrestaurant Europas, das vor ein paar Wochen am Gendarmenmarkt eröffnet hat. Dort gibt es zum Lunch etwa Erbsenschaumsuppe mit weißer Schokolade oder Glühweinmousse mit Beerenragout und Noumén-Schokolade. Das muss man nicht mögen, aber: Es ist November, es ist dunkel, es ist Zeit für Schokolade. Und es gibt sehr gute Gründe dafür.

Sein Glück finden. Wenn es schon um halb fünf zu dämmern beginnt, brauchen wir einen Lichtblick. Ein Riegel Schokolade oder ein bisschen Nougatcreme im Mund kommen da gerade richtig. Das ist wissenschaftlich bewiesen, bei Schokoladenverzehr steigt der Endorphin- und Serotoninspiegel im Gehirn an und löst „angenehme Gefühle“ aus. Dauerhaft glücklich macht das nicht, aber es fühlt sich wenigstens für kurze Zeit verdammt danach an.

Sie macht nicht dick. Klar, es geht hier nicht um drei Tafeln täglich. Aber dass Schokolade sich nur beim Anschauen auf die Hüften legt, stimmt auch wieder nicht, selbst, wenn sie 80 Prozent Kakaoanteil hat. Folgen wir doch dem Rat des Ernährungsexperten Udo Pollmer, der sagt: Was uns gut tut, ist gut für uns. Am besten, man hört auf den Körper, der sagt uns dann von selbst, wann Schluss ist. Also lieber guten Gewissens eine Tafel Schokolade essen als drei Packungen Bioreiswaffeln mit Glasur knabbern.

Berlin hat tolle Schoko-Läden. Wie immer, wenn etwas gut ist, macht man in Berlin einen Laden daraus. Der In’t Veld am Helmholtzplatz – benannt nach seinem Besitzer – war 2002 einer der ersten, der Schokolade ganzheitlich huldigte. Ein Schokoladen-Laden wie eine Kunstgalerie mit gut designten Sorten in weißen Regalfächern. Nebenan kann man Kakao trinken und seit kurzem gibt es in den Räumen dahinter auch die eigene Manufaktur.

Die Schweizer essen davon am meisten. Und die sind bekanntlich ein sehr glückliches Völkchen und sehen rotwangig gesund aus. In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Konsum bei guten acht Kilo im Jahr. Auch in China (bislang jährlich nur 20 Gramm!) kommt man langsam auf den Geschmack, allerdings mag man dort nur die Milchschokoladensorten.

Gilt als Medizin. Genauso wie ein Gläschen Rotwein oder grüner Tee soll Schokolade Stoffe enthalten, die Krebs und Herzinfarkten vorbeugen. Auch Rauchern wird empfohlen, ruhig ein paar Stückchen zu essen, weil das die Blutgefäße erweitert. Und manche Untersuchungen belegen, dass Kakaobutter das Gesamt-Cholesterin senkt. Die medizinische Wirkung ist nicht neu. Im 19. Jahrhundert konnte man Schokolade in Apotheken als „Kräftigungsmittel“ kaufen.

Bringt garantiert gute Gesellschaft. Schokoladen-Esser sind sympathische Leute: ruhig, nett und ausgeglichen. Mit denen kann man chillen. Oder haben sie schon mal jemanden hektisch eine heiße Schokolade hinunterstürzen sehen?

Sie ist wunderschön. Manchmal kommt es eben doch auf Oberflächlichkeiten an. Ob im dunklen Schwarzbraun oder cremigen Weiß – Schokolade sieht eigentlich immer gut aus. Und auch innen macht sie was her: knackig beim Abbrechen, samtig schimmernd.

Alles ist möglich. Die Puristen sollten jetzt nicht weiterlesen. Aber Schokolade gibt es in allen Variationen: mit Kirsche, Pflaume, Ananas, Mango, Papaya, Muskatnuss, Pfeffer, Minze, Ingwer und Zimt. Oder deftig mit Anis, Salz und Lakritz. Auch in der Kombination ist alles möglich – als Soße auf dem Fleisch oder Klacks in der Suppe.

Man weiß, wen man vor sich hat. Im Bürgertum war Schokolade den Frauen und Kindern vorbehalten, den leistungsorientierten Männern blieb der Kaffee. Lang ist’s her, heute essen zwar immer noch mehr Frauen als Männer Schokolade, aber wichtiger als die Geschlechterfrage ist folgende: Welche Sorte darf es sein? Zaubercrisp-Koriander-Zimt-Tafel oder ganze Haselnuss? Das sagt mehr über die Persönlichkeit eines Menschen aus als man glaubt.

Es ist noch keine Adventszeit. Zimtsterne und Spekulatius sollten bis zum ersten Advent tabu sein (alte Hausregel). Schokolade darf man das ganze Jahr essen.

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