Berlin : Lutèce

Frank Jansen

Es liegt im Herzen des alten West-Berlin und wirkt doch ein wenig versteckt. Das im vergangenen Jahr eröffnete Hotel Concorde, immerhin ein Fünf- Sterne-Haus, will nicht grell in Erscheinung treten. Zum nahen Kurfürstendamm hin blinkt keine protzige Leuchtreklame, der mächtig gewölbte Rundbau soll auch am Abend für sich selber werben. Wer dennoch den Eingang mit dem elegant geschwungenen Vordach findet, versteht das Understatement. Das Concorde setzt schon im Foyer auf kühle, japanisch anmutende Sachlichkeit. Die in der Lobby durch lattenrostartige Holzwände abgetrennte Bar mit dem schönen (und ziemlich unjapanischen) Namen „Lutèce“ führt dieses Ambiente konsequent fort. Als habe der verantwortliche Architekt Jan Kleihues seine Idee vom 22. Jahrhundert durchbuchstabiert. In dieser Bar dürfte sich kein Gast wundern, würden hier auch exquisite Sushi-Happen gereicht. Am Eingang sind hohe, filigrane Holzhocker vor einem schmalen Wandbord streng aneinander gereiht. Da beim Besuch von drinking man und compañera hier niemand saß, wirkte die Hockerparade fast schon wie eine Skulptur. Es folgen enge, schwarze Clubsessel, schmale Tische und ein unprätentiöser Tresen, an dem die herbeitröpfelnden Gäste das zweite Barhocker-Defilee lockerten.

Die Karte bietet eine enorme Auswahl an Cocktails und Spirituosen. Fast eine ganze Seite ist allein mehreren Sorten Gin gewidmet. Außerdem gibt es Snacks. Was der freundliche Kellner dann brachte, war jedoch zum Teil mit Mängeln behaftet. Dies erschien dem drinking couple angesichts der von Kleihues diktierten Nüchternheit des Interieurs schon beinahe anheimelnd. Die Auswahl von rohem und gekochtem Schinken entpuppte sich als ein Salami-Käse-Gürkchen-Silberzwiebel-Ensemble, das einige Schinkenröllchen dominant umrahmte. Der Wildlachs auf Pumpernickel hingegen war üppig und einwandfrei. Doch dann brachte der Kellner den Wodka Tai – bei dem der Keeper, wie er später auch zugab, zur falschen Flasche gegriffen hatte. Statt Mandelsirup war Kokoslikör ins Glas geflossen. Die compañera zeigte sich jedoch ungewohnt milde und verzichtete auf das Angebot des Barchefs, einen neuen Wodka Tai zu mixen. Der France Blue (Gin, Cointreau, Blue Curaçao, Orange-Bitter) erinnerte mit seinem Südseeblau an längst vergangene New-Wave-Zeiten, in denen knallbunte Longdrinks als ungemein trendy galten. Alkoholsatt glitt der Sidecar herbei, mit einem lecker-harmlosen Veni, Vidi, Vici (Limetten, Orangen, Minze, Passionsfrucht, Limettensaft, Zitrone, Orangensaft) klang der Abend aus.

Lutèce ist übrigens die französische Form des römischen Namens von Paris, „Lutetia“. Kennt man aus Asterix. Aber gallischer Frohsinn passt zu dieser Bar und diesem Hotel wie, sagen wir, Kleihues zu Kneipe.

Lutèce im Hôtel Concorde, Augsburger Straße 41, Charlottenburg, Tel.: 800 99 90, täglich von sieben bis ein Uhr nachts

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