Berlin : Luthers Mann in Berlin

Vor 500 Jahren wurde Joachim II. Hektor geboren. Als Kurfürst setzte er 1539 die Reformation durch

Helmut Caspar

Viele Herrscher aus dem Haus Hohenzollern hatten prägnante Beinamen: Der Große Kurfürst, Friedrich der Große, der Soldatenkönig, der Romantiker auf dem Thron, der 99-Tage-Kaiser. Und es gab auch einen geradezu klassischen Heroen: Joachim II. Hektor. Der vor 500 Jahren, am 13. Januar 1505, in Berlin geborene brandenburgische Kurfürst verdiente sich den antiken Beinamen durch besonderen Mut im Kampf gegen die Osmanen.

Doch weniger das macht den Mann erinnerungswürdig, als vielmehr sein Entschluss, sich von der römischen Kirche abzuwenden und das Luthersche Glaubensbekenntnis in seinem Herrschaftsbereich zuzulassen. Damit holte er – von seiner aus Sachsen stammenden Frau Magdalena und den Untertanen bedrängt – anno 1539 nach, was im benachbarten Kursachsen und anderen Fürstentümern vor allem in Nord- und Mitteldeutschland sowie in Nordeuropa bereits vollzogen war.

Spandau erinnert sich gern an den Kurfürsten, der als Mann von renaissancehaftem Zuschnitt geschildert wird: Als großer Jäger, Freund prunkvoller Feste und im Geldausgeben unbekümmert. Ein von Erdmann Encke geschaffenes und 1889, zum 350. Jahrestag des Übergangs Kurbrandenburgs zur Reformation, vor der Spandauer Nikolaikirche enthülltes Bronzedenkmal stellt ihn stehend mit Schwert und Kreuz dar, während die bronzenen Sockelreliefs sein Leben würdigen. Eine dieser Tafeln zeigt, wie Joachim II. in der Spandauer Nikolaikirche das Abendmahl in beiderlei Gestalt empfängt und sich damit zur Lutherschen Lehre bekennt.

Die Abkehr von der katholischen Kirche hatte für Joachim II. Hektor willkommene praktische Wirkungen. Er stärkte seine Stellung im römisch-deutschen Reich, gewann im Volk einige Sympathie und konnte nebenbei auch seine Finanzen sanieren. Wegen seiner luxuriösen Hofhaltung stets klamm, schlug er das Vermögen der nun aufgehobenen Klöster der eigenen Schatulle zu. Kostbares Kirchengerät aus Gold und Silber wanderte in die kurfürstliche Schatzkammer, klösterlicher Landbesitz ging an den Staat, die Gebäude wurden verpachtet oder verfielen.

Berlin und Spandau haben Joachim II. Hektor einiges zu verdanken. Er wählte die Doppelstadt Berlin-Cölln zu seinem ständigen Wohnsitz und ließ die hundert Jahre alte Burg zu einem prächtigen Schloss ausbauen. Die vor den Toren Berlins gelegene und bis 1920 selbstständige Stadt erhielt unter seiner Regentschaft sowie von seinen Nachfolgern eine starke Festung. Die Spandauer Zitadelle wurde seit Mitte des 16. Jahrhunderts unter Leitung italienischer Spezialisten zu einem uneinnehmbaren Bollwerk gegen belagernde Feinde, aber auch als Schatzhaus und gefürchtetes Gefängnis ausgebaut. Hierbei tat sich vor allem der italienische Graf Rochus von Lynar hervor, der in der Nikolaikirche bestattet ist.

Joachim II. regierte von 1530 bis zu seinem Tod 1571. Er hinterließ einen Schuldenberg. Um ihn abzubauen, erlegte der der Alchemie verfallene Nachfolger Kurfürst Johann Georg den Juden im Lande schwere, unbezahlbare Steuern auf. Außerdem ließ er gegen führende Beamte Untersuchungen wegen des Vorwurfs der Korruption anstellen und eignete sich deren Vermögen an. Gegen alles Recht wurde ein Prozess gegen den jüdischen Münzmeister Lippold, einen Vertrauten seines Vaters, wegen Hexerei und Diebstahls, geführt. Als Lippold 1573 auf dem Neuen Markt in Berlin hingerichtet wurde, nutzte Johann Georg den von ihm geschürten Antisemitismus, um von den wahren Ursachen der Verarmung im Lande abzulenken und sich als Retter in der Not aufzuspielen. Diesem Hohenzollern hat man keinen heroischen Beinamen verliehen.

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