Berlin : Luxemburgische Botschaft: "Wir sind kein Nation gewordener Banktresor"

Claude Kohnen

Wenn Conrad Bruch auf das Luxemburg-Bild der Deutschen zu sprechen kommt, kann er sich nur schwer beherrschen. Luxemburg ist kein Steuerparadies erregt er sich der Diplomat aus dem kleinen Großherzogtum, und vergisst dabei jede diplomatische Zurückhaltung. Man solle doch endlich aufhören, Luxemburg nur im Zusammenhang mit Transfers deutscher Steuergelder ins Großherzogtum zu erwähnen.

Sein Land sei mehr als ein Bankenplatz, und diese in Deutschland eher unbekannten Aspekte des kleinen Nachbarn im Westen sollen in Zukunft einem größeren Personenkreis bekannt gemacht werden.

Am kommenden Sonnabend, dem 3. März, lädt die Botschaft nun zur ersten Veranstaltung im Rahmen des Zyklus "Luxemburgische Autoren zu Gast in Berlin". Es kommt der Schriftsteller Roland Harsch. Von Beruf Deutschlehrer, hat er in den vergangenen Jahren drei in seiner Heimat viel beachtete Bücher geschrieben. Darin setzt er sich, meist in Gedichten, satirisch mit den verschiedensten gesellschaftlichen Themen auseinander. Harsch gilt als einer der pointiertesten und originellsten luxemburgischen Autoren, die auf Deutsch publizieren. Am Sonnabend liest er Auszüge aus seinen Büchern.

Im Oktober vergangenen Jahres wurde die neue luxemburgische Botschaft im Diplomatenviertel in der Tiergartener Klingelhöferstraße eröffnet. Das eher schlichte Gebäude gleich neben der CDU-Zentrale teilen sich die Luxemburger mit den Maltesen.

Der Hausherr, Botschafter Julien Alex, sieht im Hauptstadtumzug nach Berlin eine besondere Herausforderung. Die meisten Westdeutschen kennen Luxemburg von Besuchen, hier im Osten Deutschlands weiß man oft nur wenig über das Großherzogtum. Dementsprechend seien die Vorurteile besonders ausgeprägt. Wer weiß denn schon, dass Luxemburg eines der Lände mit den meisten Buchveröffentlichungen ist - jedenfalls dann, wenn man die Zahl mit der der Bevölkerung ins Verhältnis setzt.? Wer ahnt, dass in Luxemburg Filme produziert werden? Oder dass es eine eigene luxemburgische Sprache gibt, das Lutzebuergesch, das 1984 per Gesetz zur offiziellen Landessprache erhoben wurde?

Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt...

Mit den Kulturveranstaltungen will der Botschafter die Meinung, bei Luxemburg handele es sich um einen Nation gewordenen Banktresor, revidieren. Besonderes Augenmerk will man auf die Tatsache lenken, dass Luxemburg an der Schnittstelle zweier Kulturen liegt. Man blicke sowohl nach Frankreich wie auch nach Deutschland, so Botschafter Alex. Nicht umsonst hätten sich Luxemburger Politiker immer wieder als Mittler zwischen den beiden großen Nachbarn hervortun können.

Wenige Wochen nach der offiziellen Eröffnung des Botschaftsgebäudes wurde Ende des vergangenen Jahres die Ausstellung "Influenzen - Konvergenzen - Divergenzen. Künstler zwischen Luxemburg und Deutschland" im Botschaftsgebäude gezeigt. Der Lesung von Roland Harsch sollen weitere Auftritte von luxemburgischen Schriftstellern in Berlin folgen.

Und man schmiedet bereits weitere Pläne. So ist unter anderem eine Ausstellung über die luxemburgische Sprache geplant und Konzerte werden gegeben. Und für ein kleines Festival haben die Luxemburger auch genügend Filme.

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