Berlin : Luxus bis unter die Bettdecke

Durchs Schlüsselloch der teuersten Hotelsuiten geblickt: So wohnen die Berlinale-Stars

Heidemarie Mazuhn

Noch sind die roten Teppiche für die Berlinale-Stars nicht ausgerollt. Dafür sind die Betten in den Luxushotels aber sind schon gemacht. Es ist zwar streng geheim, in welchem Haus George Clooney, Nicole Kidman oder Dustin Hoffman ihr müdes Haupt lagern, aber immerhin durfte der Tagesspiegeln den Bettentest in den Präsidentensuiten machen. Wer – wie Steven Segal im Vorjahr – im Grand Hyatt am Potsdamer Platz in der Maybach- oder Daimler-Suite logiert, könnte seinen großen Auftritt glatt verschafen. Butterweich liegt man hier auf einem „himmlischen Bett“. So heißt der superweiche Matratzenaufleger der riesigen Betten. „Fast täglich kaufen begeisterte Hotelgäste unsere Aufleger, die gibt es in allen Zimmern“, sagt Beherbergungsdirektor Axel Ziegler. 210 und 190 Quadratmeter groß sind die Suiten, bis hin zum Blumenarrangement puristisch-elegant designt. Ein Markenflügel steht zum Musizieren bereit. Ob jemand in der 7. Etage ein Berlinale-Gast die aufgeschlagenen Händel- oder Mozartnoten spielt, muss offen bleiben. Eher vorstellbar ist, dass ein sonnenverwöhnter Star aus Beverly Hills den schmuddlig-grauen Februartag am gemütlichem Kaminfeuer vergisst oder sich in der Dampfsauna aalt. Ein ganz besonderer Hyatt-Luxus geht auf die Japaner zurück. „Die baden nur im fließenden Wasser“, sagt Axel Ziegler – in den Präsidentensuiten darf man die Wanne nach Herzenslust überlaufen lassen.

Im Adlon kann man exklusiv zu den Filmfestspielen an der Lobby-Bar einen „Golden Star“ genießen – so heißt der eigens kreierte Berlinale-Cocktail. Der Berlinale-Stargast genießt in den zwei Präsidentensuiten vor allem einen in Berlin einmaligen Blick auf das Brandenburger Tor, den Pariser Platz und die Linden. Der Festspielgast aus Übersee wohnt zwischen Seide, Marmor und kunstvoll bemaltem Holz – so wie eine vornehm-wohlhabende deutsche Familie aus der Zeit zwischen 1920 und 1930. Der Badeluxus mit Sauna und Whirlpool ist aber neuzeitlich wie auch die schusssicheren Fenster – bei einem Filmstar werden letztere sicher weniger gebraucht.

Schusssicher sind auch die Fenster in der Präsidentensuite im Westin Grand Hotel . Nach Karl Friedrich Schinkel wurden die klassizistisch gestalteten 280 Quadratmeter ehemaliger DDR-Hotel-Luxus benannt, zu denen heutzutage auf Wunsch auch ein Butler gehört. Roger Moore lag hier schon unter dem grünen Baldachin im Bett. Das wirkt riesig, hat aber Normmaße. Immerhin passte auch Boris Jelzin hinein und blickte beim Aufwachen die Friedrichstraße hinunter. Ob er wusste, dass er in dieser Suite nach Goethes Farbenlehre wohnt? Grün im Schlafzimmer, Rot im Salon und Blau im Speisezimmer. Die dort in einer Anrichte vornehm-stilvoll versteckte Mini-Bar hat ihn vermutlich, die hölzerne Sauna mit richtigem Aufgussofen ganz bestimmt intressiert.

In der Präsidentensuite des Four Seasons am Gendarmenmarkt ist das Getränkeangebot für den schnellen Bedarf in einer Küche stationiert, in der man sich privat bekochen lassen kann. Wer zur Berlinale von den Pralinen nascht, die in der klassisch-eleganten 220 Quadratmeter großen Suite auf dem Kamintisch schon angerichtet waren, ließ sich auch die Pressesprecherin Stefanie Brückner nicht entlocken. Grundsätzlich gibt es keine Auskünfte zu Gästen. Die Diskretion geht sogar so weit, dass sie noch nicht einmal die Besuche Madonnas und Anthony Hopkins bestätigen wollte. Beide guckten im vorigen Jahr, was allgemein bekannt war, vom Bett aus zum Französischen Dom – selbstredend nicht zusammen. Schwindelfreie Präsidentensuiten-Mieter können im Four Seasons sogar nach draußen treten und die Aussicht auf den Berliner Dom, den Fernsehturm und das Rote Rathaus von einer umlaufenden Balustrade genießen. „Nirgends in Berlin ist der Himmel so blau, wie hier über dem Gendarmenmarkt“, schwärmte die junge Pressechefin des ersten Hauses am Platz.

Da hätte Stefanie Brückners Berufskollegin im Inter-Continental sicher gern widesprochen. Im sichersten Hotel Berlins zeigt Türkan Gültepe die fast noch funkelnagelneue Park-Suite, die mit ihren 150 Quadratmetern das Angebot der Präsidentensuite ergänzt. Könnte man Noten für die Schlafstätten der Luxusklasse vergeben, würde man hier eine Eins geben. „Ich möchte so schön sein, wie die Park-Suite“, soll Donald Sutherland zur Berlinale im vergangenem Jahr geschwärmt haben. In der puristisch, aber behaglich gestalteten Suite gehen die einzelnen Lebensbereiche offen ineinander über, können aber nach Bedarf selbst variiert und getrennt werden. Vom Bett aus schweift der Blick aus der großen Fensterfront weit über den gegenüberliegenden Tiergarten. Auch aus der Badewanne blickt man zum größten Park Berlins – bei Kerzenschein, Champagner und leiser Musik könnte man hier die Welt vergessen. In dem riesigen Badevorraum mit allen Schikanen kann man sich ebenfalls ausruhen – oder sich an einer Balettstange vor hoher Spiegelwand die Berlinale-Häppchen wieder runtertrainieren. Wenn man ein figurbewusster Star ist. Wer keiner ist, sondern nur jemand mit einer Übernachtung im Luxus überraschen möchte, der sollte etwas übrig haben für die Park-Suite – rund 2000 Euro.

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