Berlin : Luxus im Anzug

Das Hugo-Boss-Modespektakel ließ die Achtziger hochleben

Susanna Nieder

Magere Zeiten? Nicht bei Hugo Boss. Zumindest bei den Events. Der große Trend in der Mode sind schließlich die achtziger Jahre, und die kann man nicht ironisieren wie die Sechziger und Siebziger mit ihrem Schwanken zwischen braver Bürgerlichkeit und Aufbruchstimmung. Achtziger heißt: Ungeschmälerter Luxus – und genau mit dem wollte die schwäbische Modefirma bei ihrem Spektakel am Donnerstagabend im Postbahnhof am Ostbahnhof Eindruck machen.

Auch wenn auf anderen Partys die Sparsamkeit Gesprächsthema Nummer eins ist (wie bei der Premiere zu „Drei Engel für Charlie“) – im Postbahnhof griff Boss in die Vollen. Das Signal war eindeutig: Schluss mit der Verzagtheit. Es darf gefeiert werden.

Rund 1600 geladene Gäste, darunter die Schauspieler Rupert Everett und Chloé Sevigny, die Box-Brüder Klitschko, FDP-Chef Guido Westerwelle, Pop-Sänger Sascha, TV-Moderator Kai Pflaume, Schauspieler Kai Wiesinger und Kollege Thomas Heintze kamen zur Präsentation der Herren- und Damenkollektion Sommer 2004 der atemberaubend gestalteten alten Eisenbahnhalle: Die niedrige Decke war mit 5000 blumenförmigen Lämpchen übersäht, die ein darunter liegende Wasserbassin mit Wellen gelben, rötlichen, violetten Lichts überschwemmten, die Zuschauer sahen von ihrer Tribüne auf die Züge, die lautlos hinter einer durchsichtigen Wand vorbeirauschten. Beginn und Finale der Schau bestimmte der Fahrplan der Bahn. Am Ende der Halle fiel der Blick durch eine breite Glaswand auf eine hyperrealistisch beleuchtete Brache samt Brennnessel, Bretterzaun und Autowrack, aus der die Models auftauchten, über den mit Wasser gefluteten Laufsteg defilierten, und in der sie wieder verschwanden.

Die Mode – viel glänzendes Grau, für Herren uni, für Damen mit Nadelstreifen, schmale Schnitte, tief angesetzte Hüften, Blousons und kastige Jacken, pastellfarben flatternde Kleidchen – rückte fast in den Hintergrund wegen der Reize, die anschließend geboten wurden. Im fahlen Licht flackernder Neonröhren glitzerten an Ketten hängende Eisblöcke (aus Schweden), die bedeckt waren mit einem Büfett aus Austern, Lachs, Kaviar, Flusskrebsen, Salaten. Und im Seitenhof: aufgeschütteter Sand aus der Türkei), wehende Vorhänge vor rauen Fassaden, ein Dutzend Köche, die hinter ihren rauchenden Grills standen wie eine Vision aus einem Film von Peter Greenaway. Villa Eugénie heißt die belgische Eventagentur, die diesen Abend gestaltet hat, ihr Chef, Etienne Rousseau, kümmert sich um Boss-Veranstaltungen und inszeniert auch die Mode von Dries van Noten.

Die Gäste tanzten erst zu den dengelnden Synthesizerklängen der französischen Post-Punk-Band „Vive la Fête“ und dann zu House-Musik bis in die Morgenstunden. Und als ob die Achtziger nie vorübergingen: Dieter Meier von der Schweizer Band „Yello“ feierte mit.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben