Berlin : Luxus ist lecker

Das Beste zum Schluss: Hunderte Tagesspiegel-Leser erlebten zum Ende unserer Ferien-Serie den „perfekten Tag für Feinschmecker“

Constance Frey[Juris Lempfert],Florian Urschel

Wenn Robert Juntke loslegt, erblassen viele Hausfrauen vor Neid. „Achten Sie als guter Gastgeber beim Aufdecken nicht nur auf den Winkel von Glas zu Tischkante und Hauptgang-Messer. Der Stiel des Glases muss auch auf einer Linie mit der Lücke zwischen dem Dessert-Besteck liegen“, sagt der Oberkellner im Fünf-Sterne-Hotel Marriott und lächelt in die Runde. Für die sechste und letzte Folge der Tagesspiegel-Serie „Der perfekte Tag – für Feinschmecker“ hat das Hotel am Sonnabend vier Kurse „für den perfekten Gastgeber“ organisiert.

Das Interesse ist überwältigend – hunderte Leser bewarben sich zuvor um einen Platz. Wer am Ende zu den 60 glücklichen Teilnehmern gehört, dem zeigt Robert Juntke, wie man richtig aufdeckt. Ständig ist der Oberkellner umringt von Frauen, die alle Tipps eifrig mitschreiben, nachfragen und nachmessen.

Einen Raum weiter hält Marriott-Restaurant-Chef Bob Rikken ein Weinseminar. Hier sind die Teilnehmer schon so weit, am südafrikanischen Chardonnay den Heu- und Stallgeruch wahrzunehmen. Küchenchef Jens Jüttner zeigt unterdessen im Erdgeschoss, wie man in kurzer Zeit und ohne großen Aufwand Vorspeisen zubereitet „wenn der Chef sich kurzfristig mal mit seiner Frau ankündigt“. Benimmtrainerin Salka Schwarz erinnert in ihrem Kurs daran, dass es „bei so einem Chef-Besuch hilfreich sein kann, mit einem Umtrunk vorab ein lockeres Gespräch in Gang zu bringen“. Benehmen ist offenbar ein wichtiges Thema – noch lange nach dem Kursus muss Salka Schwarz Fragen beantworten.

Ganz spontan erweitern am Sonnabend viele Veranstalter ihr Angebot. Meister-Patissier Harry Genenz tischt in seiner Konditorei – angespornt vom Lob der Gäste – immer mehr Gebäck auf. Das Restaurant Theodor Tucher am Pariser Platz verlegt wegen des großen Andrangs den Literaturabend vom kleinen Lesesalon in den großen Innenhof. 150 Gäste sitzen an weiß eingedeckten Tischen. Schauspieler und Rezitator Hans-Jürgen Schatz liest als „literarischen Zwischengang“ Gedichte vom Essen, Trinken, von Zutaten und der Verdauung. Und bringt später Teile aus seinem Kästner-Programm. Sogar das Küchenpersonal hält in seiner Arbeit inne, um Erich Kästners „Gemurmel eines Kellners“ oder Matthias Claudius’ „Lob der Kartoffel“ zu lauschen. Ohne eine Zugabe lässt das Publikum Schatz nicht von der Bühne. Hinterher bedanken sich viele Zuhörer persönlich für den „wundervollen, gelungenen Abend“.

Tagsüber hatten andere Leser bereits bei „Lutter & Wegner“ am Gendarmenmarkt gratis Austern geschlürft und Rieslingsekt probiert. Fast zeitgleich stoppt ganz in der Nähe die Stretch-Limousine von Sage-Cars. Der Chauffeur holt sechs Tagesspiegel-Fahrgäste zur Tour nach Schöneberg ab. Dort geht’s ins „Baltas“, wo der Wirt edles Fast-Food serviert. Selbst am Lenker sitzen dagegen die Teilnehmer der Motorroller-Rundfahrt, einige sogar zum ersten Mal. Der Stadtführer von Roller-Scholz zeigt nicht nur, wo die Sehenswürdigkeiten sind, sondern auch Bremse und Blinker.

Zu dieser Zeit bereitet sich ein Leser auf seinen Einsatz bei der Show der Blue Man Group im Theater am Potsdamer Platz vor. Er darf bei den Musikern auf der Bühne sitzen und sich hinterher im Theater umsehen. Geduld mit den Feinschmeckern beweist am Ende Eugen Kasparek von „Whisky & Cigars“ in Mitte. Denn nach der dritten Runde Whisky wird es für ihn zunehmend schwer, die Fragen der Teilnehmer zu verstehen.

Ferienende, Serienende. Da fehlt noch was? Natürlich, die Gewinnspiel-Sieger. Wer die drei Städtereisen und die vielen Sachpreise gewonnen hat, wird noch im August ermittelt. Dann greifen unsere Hauptveranstalter in die Lostrommel. Wer die Preisträger sind, lesen Sie am Sonntag, 22. August, im Tagesspiegel.

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