Berlin : Luxus-Reisende fahren am billigsten

Kuriositäten beim neuen Preissystem der Bahn / Teure Fahrten für Bahncard-Kunden ins Umland

Klaus Kurpjuweit

Heute beginnt der Vorverkauf für das neue Preissystem der Bahn, das ab 15. Dezember gilt. Bahnchef Hartmut Mehdorn will damit den Tarifdschungel lichten und das Reisen mit dem Zug für viele Kunden billiger machen. Für andere wird es aber teurer. So verdoppelt sich im Fernzug von Berlin nach Stendal der Preis für Kunden mit einer Bahncard. Und Fahrten nach Stralsund an die Ostsee werden im Fernverkehr billiger als im Regionalverkehr.

Während sich im Regionalverkehr zwischen Berlin und Zielen in Brandenburg auf kurzen Strecken nichts ändert, führt die Bahn im Fernverkehr, dessen Preise auf langen Strecken grundsätzlich reduziert werden, ein neues Rabattsystem ein, das die Fahrten um bis zu 40 Prozent verbilligt – wenn man spätestens sieben Tage vor der Reise eine Hin- und Rückfahrt bucht, sich auf einen bestimmten Zug fest legt und zwischen Hin- und Rückfahrt eine Nacht von Sonnabend zu Sonntag liegt. Der Mindestpreis muss bei 15 Euro liegen. Nur in diesen Fällen gibt es den Maximal-Rabatt. 25 Prozent sparen kann man bei einem Kauf drei Tage vor der Hin- und Rückfahrt, zehn Prozent Nachlass gibt es beim Kauf einen Tag vor Fahrtantritt. Der Rabatt gilt in diesem Fall dann auch bereits bei einer einfachen Fahrt.

Kurios wird es allerdings bei Reisen von Berlin an die Ostsee. Die Fahrt nach Stralsund kostet in Zukunft im Regionalverkehr hin und zurück zum Beispiel 61,60 Euro. Im Fernverkehr liegt der neue Preis mit 73,20 Euro zwar höher, doch dafür kann man hier den 40-Prozent-Rabatt nutzen, was dann zu einem Preis von nur noch 44 Euro für die Hin- und Rückfahrt führt. Noch billiger wird es mit der Bahncard, die eine weitere Vergünstigung von allerdings nur noch 25 Prozent bringt. Bisher halbiert sich der Preis mit der Bahncard.

Günstiger wird die Fahrt zur See im Fernzug zudem, wenn mehrere Personen gemeinsam fahren. Bis zu vier Mitfahrer zahlen dann jeweils nur die Hälfte des Preises. Wer mit Fremden billiger reisen will, findet unter www.ticket-teilen.de beim Verkehrsclub Deutschland weitere Informationen. Denn hier wird’s schon komplizierter. Werktags können nämlich bis zu fünf Personen schon für zusammen 44 Euro zur Ostsee fahren, wenn sie ein Brandenburg- und ein Mecklenburg-Vorpommern-Ticket kaufen. Dieses gilt, wie das Schöne-Wochenende-Ticket, das für bis zu fünf Personen sogar nur 28 Euro kostet, aber nur in Regionalzügen.

Doch wer auf den Fernverkehr setzt, reist durch die neuen Rabatte ohnehin günstig – und bequem, zumal auf der Strecke nach Stralsund im Fernverkehr die bisherigen Interregio-Verbindungen durch Intercity-Züge ersetzt werden. Und diese sollen zumindest mittelfristig klimatisierte Wagen erhalten. So lässt es sich nicht nur billiger reisen, sondern auch komfortabler als im Regionalverkehrs-Waggon. Damit macht die Bahn im Fernverkehr ihren Kollegen vom Regionalbereich doppelte Konkurrenz – beim Rabatt und beim Komfort.

Für Bahncard-Besitzer werden allerdings Fahrten im Nahverkehr teurer, weil es statt 50 nur noch 25 Prozent Rabatt gibt. Nach Stendal konnte man mit der alten Bahncard für 7,70 Euro fahren, jetzt verdoppelt sich der Preis auf 15,30 Euro. Denn auch der Normalpreis erhöht sich, weil die Bahn hier den bisherigen Interregio durch einen Intercity ersetzt, der bis Amsterdam fährt. Er wird kaum schneller sein, doch den Intercity-Luxus lässt sich die Bahn bezahlen.

Nichts ändert sich für Käufer von Monatskarten im Nahverkehr, weil hier die Bahncard nicht gilt. So kostet das Monatsticket von Berlin nach Cottbus auch in Zukunft weiter 134 Euro.

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