Luxus-Wohnungen : Zu viele feine Adressen in Mitte

Nach dem Baustopp für Luxus-Wohnungen mit Dachgärten und Tiefgarage an der Fehrbelliner Straße geben sich andere Entwickler optimistisch – aber die Banken sind skeptisch.

Matthias Oloew
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Da ist was frei. Die Nachfrage nach Luxuswohnungen geht zurück. -Foto: Mike Wolff

Überall in der Innenstadt sollen sie entstehen, schicke Neubauten für gehobenes und luxuriöses Wohnen. Keines war so ambitioniert wie das des Projektentwicklers Orco. An der Fehrbelliner Straße in Mitte sollten Luxus-Appartements, Townhäuser mit Dachgärten, Schwimmbad und Tiefgarage errichtet werden. Jetzt hat Orco, wie gestern berichtet, die Bauarbeiten gestoppt. Als Grund gibt Orco an, die Kredite für das Projekt seien zu teuer, die Baukosten zu hoch, und zu diesen Preisen ließen sich nicht genügend Käufer finden.

Mit dieser Bauchlandung hat die internationale Kredit- und Immobilienkrise auch Berlin erreicht. Orco entwickelt in der Stadt die Brache des ehemaligen Wertheim-Areals am Leipziger Platz und will das ehemalige Haus Cumberland am Kurfürstendamm aufwendig aus- und umbauen. Außerdem hat Orco vom Senat die Gewerbesiedlungsgesellschaft (GSG) übernommen.

Ob und wann die Bauarbeiten an dem Luxuswohnprojekt in Mitte weitergehen werden, lässt Orco offen. Auch ein Verkauf der Baustelle sei möglich. Von den rund 150 geplanten Wohneinheiten hat Orco 40 verkauft. Für 35 weitere gab es eine Option. Doch die hatte Orco ausgeschlagen – der Entwickler glaubte, mehr Geld verdienen zu können.

„Die Zeiten, wo die Interessenten eingeflogen kommen, und mal schnell ein teures Appartement kaufen, sind vorbei“, sagt ein Sprecher des Projektentwicklers, der die sogenannten Fellini Residences nahe der Axel-Springer-Straße in Mitte bauen möchte. Von einer Krise im Markt der Luxus-Appartements will man hier jedoch nichts wissen. Von den 70 geplanten Wohnungen seien zehn verkauft, „obwohl wir erst seit zwei Monaten auf dem Markt sind“.

Die Fellini Residences werden zu 85 Prozent durch Kredite der Commerzbank und der Deutschen Bank finanziert. Sorgen, dass die Kredithäuser sich nach dem Baustopp bei Orco von diesem Projekt zurückziehen, machen sich die Manager der Fellini Residences nicht.

Ähnlich zuversichtlich ist Anna-Maria Gerhart von der Unternehmensgruppe Stofanel, die in Prenzlauer Berg den Marthashof errichten möchte. „Wir bauen Wohnungen und Häuser für die Mittelklasse und keine Luxusappartements“, sagt sie, von den 133 geplanten Wohnungen seien „einige verkauft“. Genauere Zahlen über das mit viel Pomp im Mai gestartete Projekt von Giovanna Stefanel und Ludwig Stoffel gebe es aber nicht. Die beiden wollen nicht nur dieses Projekt an der Schwedter Straße umsetzen, sondern auch einen Wohnturm am Friedrichshainer Spreeufer sowie Wohnungen an der Clayallee in Zehlendorf errichten.

Neben diesen Projekten gibt es aber noch weitere Pläne für Luxuswohnungen in Berlin. So will die Kölner Vivacon AG auf dem brachliegenden Grundstück neben dem Berliner Ensemble trendige Appartements errichten und klotzt mit der Ankündigung, Star-Designer Philippe Starck werde dem Projekt den entsprechenden Schliff geben. Für die Banken ist das Marktsegment Luxusappartements in Berlin allerdings Neuland. Und die Nachrichten vom Baustopp an der Fehrbelliner Straße machen die Finanzierung nicht leichter.

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