Luxuswohnen : Ein Kristall-Berg neben dem Brecht-Theater

Im Modell sehen die Luxusappartements aus wie eine Anhäufung übereinandergetürmter Flatscreen-Bildschirme, Zigarrenkisten oder Container. Stolze 6000 Euro soll der Quadratmeter Wohnung am Bertolt-Brecht-Platz kosten. Auch an anderer Stelle in Berlin wird für die obersten Einkommensschichten gebaut.

Lothar Heinke
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Luxuswohnen in bester Lage am Berthold-Brecht-Platz. -Foto: Eike Becker Architekten

Ein zehngeschossiges Gebäude aus Glas und Metall wird jetzt schräg neben dem Berliner Ensemble gebaut und künftig das Gesicht des Bertolt-Brecht-Platzes beherrschen. Für den Ort, an dem bis zu seinem Abriss 1985 der alte Friedrichstadtpalast stand, zwischen Spree und Reinhardtstraße, entwarf das Büro des Architekten Eike Becker einen "Berg aus Kristallen, hell und licht", wie der renommierte 42-jährige Architekt sein Mehrzweckgebäude mit der Adresse Am Zirkus 1 bezeichnet. Der "kristallförmige Baukörper", der im Modell wie eine Anhäufung übereinandergetürmter, überdimensionaler Flatscreen-Bildschirme, Zigarrenkisten oder Container wirkt, bringt modernes Design in die Häuserlücke zwischen den Wohnbauten in der Straße Am Zirkus und dem 1892 eröffneten "Neuen Theater" am Schiffbauerdamm. Der Bert-Brecht-Platz soll seine Bäume ebenso behalten wie das Denkmal des Dichters, jedoch so urban werden, "dass hier Berliner Leben stattfinden kann – mehr Marktplatz als Parkanlage".

77 Millionen Euro gibt die Kölner Vivacon AG für das Gebäude mit den gestaffelten Geschossen aus, "wir dürfen zwischen Reichstag und Museumsinsel auf dem wohl schönsten noch verfügbaren Areal in ganz Berlin bauen", freut sich Vivacon-Vorstand Michael Ries. 2010 soll das terrassenförmige Gebäude fertig sein. Es beherbergt dann knapp 100 unterschiedlich große Wohnungen, Büros und – auf der rechten hinteren Seite – ein Hotel der israelischen Leonardo-Kette. Vivacon hat die Erfahrung gemacht, "dass die Leute für Luxus durchaus mehr zu zahlen bereit sind", und so wird der Käufer einer Eigentumswohnung an dieser prominenten Stelle mit einem Quadratmeterpreis von durchschnittlich 6000 Euro rechnen müssen.

Auch am Köllnischen Park werden Luxuswohnungen gebaut

Ähnliche Preise gelten für ein weiteres Bauprojekt, das Vivacon für 95 Millionen Euro am Köllnischen Park realisiert. Hier begann gestern bereits die Offerte der 310 geplanten Wohnungen, von denen nurmehr die Entwürfe der Berliner Architektin Annette Axthelm und eine attraktive Musterwohnung existieren. Die meisten Interessenten kletterten in das Oberstübchen der 110-Quadratmeter-Maisonettewohnung, weil man dort während des Duschens die Bären in ihrem Zwinger beobachten kann. Der Quadratmeter kostet hier knapp 3000 Euro. Dafür wohnt man hinter der denkmalgeschützten dunkelroten Klinkerfassade der ehemaligen AOK-Zentrale. Das Gebäude soll künftig "Haus Luise" heißen, es wird zum Kernstück des Ensembles "Luisenstadt", einem Karree zwischen Runge- und Köpenicker Straße, Am Köllnischen Park und Wassergasse, 12.000 Quadratmeter groß. Dazu gehört auch das einstige Veranstaltungs-"Haus am Köllnischen Park", ein Plattenbau, der jetzt abgerissen wird. Durch die Kombination von Alt- und Neubau entstehen über 300 Wohnungen und Stadthäuser. Im Angebot sind zwei Wohnungstypen von 100 bis 130 Quadratmeter mit großer Glasfront und Wasserlandschaft im Innenhof. Für Manager sind fertig eingerichtete Appartements mit "Rundum-Service" vorgesehen.

Bald rollen die Bagger, und wer Am Zirkus 1 die Grube für Fundament und Tiefgarage aushebt, liest zuvor den Wunsch, den wenig begeisterte Anwohner auf den Betonboden der Brache gepinselt haben: „Park statt Profit“.

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