Berlin : Macht und Anmut

Rosenball mit Liza Minnelli und Patricia Kaas

Elisabeth Binder

Lieblich sehen sie aus, die aprikosig-rosigen Rosen namens „King Kong“, vor denen Liz Mohn ihre Gäste empfängt. Seit sie ein paar Tage zuvor den Börsengang des Familienunternehmens Bertelsmann verhindert hat, gilt sie vielen als mächtigste Medienfrau Europas. Der Erlös des Rosenballs, den sie in der Nacht zu Sonntag schon zum dritten Mal im Hotel Interconti mit 550 exquisiten Gästen feierte, kommt ihrer Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe zugute. Heerscharen junger Frauen mit schwarzen Hosenanzügen assistieren ihr, tragen superprofessionellen ernsten Gesichtsausdruck unter schwarzen Headsets und wuseln konzentriert umher, damit alles punktgenau klappt.

So tritt um 23 Uhr, auf die Sekunde pünktlich, Liza Minnelli auf die Bühne, ein Weltstar ohne Allüren, der auf Anhieb erkennt, was an diesem mit der Präzision eines Uhrwerks funktionierenden Abend noch ein bisschen fehlt: was fürs Herz und was für die Seele. Letztere singt sie sich mit einer Verve aus dem Leib, die großen Jubel und noch mehr Bewunderung auslöst. Da tritt eine Künstlerin auf, die gar nicht anders kann, als alles zu geben. Die Schweißtropfen spritzen ihr von der Stirn, aber ihre Stimme, ihre Mimik spiegeln Höhen und Tiefen des Lebens, wenn sie das Publikum packt und emotional schüttelt mit „New York, New York“ und „Cabaret“. Am Ende bittet sie die Gastgeberin auf die Bühne, spricht den Namen aus wie „moon“, verspricht also der „Frau Mond“ singend, an sie zu denken an altvertrauten, schönen Orten. Ein grandioser, in dem makellos gestylten, weißen Ambiente wohltuend herzlicher Auftritt. Da ist auch die mächtigste Medienfrau sichtlich gerührt, und nur die Headset-Trägerinnen gucken etwas besorgt, aber vermutlich vor allem, weil „Liza with a Z“ länger gesungen hat, als vorgesehen war. Vorher hatte Patricia Kaas mit „La Vie en Rose“ schon hohe Maßstäbe gesetzt. Außerdem hatten die Opernboys „Il Divo“ mit ihrem hart am Rande von Schmalz verharrenden Schmelz und der samtpfotigsten Testosteronattacke, seit es Retortenbands gibt, sehr schön „I Need Your Love“ auf Spanisch gesungen.

Rosa Taittinger, bretonische Langusten. Mit dabei unter anderem Jack White, Peter Maffay, Vicky Leandros und Ex-Minister Joschka Fischer mit Frau Minu. Als Tischherren hatte sich Liz Mohn den Vorstandsvorsitzenden Gunter Thielen und den Regierenden Bürgermeister ausgesucht. Mit Wowereit eröffnete sie den Ball zu den Klängen der Bundeswehr-Big-Band. Anders als beim Präsidententanz beim Presseball, trauten sich die anderen Gäste erst aufs Parkett, als die beiden sie heranwinkten.

240 000 Euro hat der Abend erbracht für den Kampf gegen Schlaganfälle und ihre Folgen.

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