Machtkampf in Landesbetrieben : Personalwechsel im Vivantes-Aufsichtsrat

Finanzsenator Nußbaum setzt sich gegen den SPD-Veteran Karl Kauermann durch. Die Klinikkette machte 2013 Plus.

von
Finanzsenator Nußbaum
Finanzsenator NußbaumFoto: Mike Wolff

Im Streit um die Aufsicht landeseigener Gesellschaften könnte sich der Finanzsenator bei den Vivantes-Kliniken durchgesetzt haben. Nach Tagesspiegel-Informationen wird Karl Kauermann, langjähriges Mitglied im Vivantes-Aufsichtsrat, in den kommenden Monaten seinen Posten verlassen. Das Verhältnis zwischen Kauermann und Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD) gilt seit langem als deutlich getrübt.

Senator könnte Kauermann auch entlassen

Der Senator soll Kauermann nahegelegt haben, sein Amt niederzulegen. Er hätte ihn anderenfalls, berichten Beobachter, womöglich sogar entlassen. Dies hätte wahrscheinlich einen Streit im Senat und in der SPD nach sich gezogen, denn der 67 Jahre alte Sozialdemokrat Kauermann ist gut vernetzt und sitzt seit Jahren in Aufsichtsräten großer Gesellschaften. Da die Klinikkette dem Land gehört, darf der Senat mehrere Vertreter für den Aufsichtsrat ernennen. Diese bilden in dem Gremium dann die Anteilseignerseite, so auch Kauermann. Im Vivantes-Aufsichtsrat sitzt neben Nußbaum auch Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Kauermann, der Aufsichtsratsvorsitzende, Peter Zühlsdorff, und die Senatsfinanzverwaltung äußerten sich dazu nicht.

Kauermann verließ nach Streit die Wohnungsbaugesellschaft Degewo

Kauermann ging nach einem Streit mit Nußbaum 2012 bereits als Aufsichtsratschef der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo. Anlass für Ärger bei Vivantes war eine Firmenbeteiligung: Zusammen mit Ex-Vivantes-Chef Joachim Bovelet hatte Kauermann zeitweilig Anteile an der „CAG-Clinica.arzt AG“. Die Firma könnte aber mit Vivantes konkurrieren, was für Kauermann problematisch geworden wäre.

Kauermann war bei Vivantes lange anerkannt, was vermutlich daran liegt, dass er die Unterstützung vieler Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat genoss. Diese können nicht vom Eigentümer, also dem Senat, entlassen werden, weil sie innerbetrieblich für die Posten gewählt werden.

Vivantes hat 2013 mehr als sechs Millionen Euro Plus gemacht

Die nächste Aufsichtsratsitzung findet diesen März statt, danach soll das Ergebnis des Geschäftsjahres 2013 veröffentlicht werden. Nach Tagesspiegel-Informationen ist ein Plus von 6,4 Millionen Euro erreicht worden. Dies wäre etwas weniger als 2012. Allerdings hatte man klinikintern für 2013 mit nur 5,2 Millionen gerechnet. Eine Vivantes-Sprecherin äußerte sich dazu nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben