Berlin : Machtkampf um den Marathon

Veranstalter streiten über Werbung für Straßenlauf

Friedhard Teuffel

Hinter den Kulissen des Berlin-Marathons streiten sich Veranstalter und ehemalige Aufsichtsratsmitglieder weiter. Es geht dabei zum einen darum, welche Rolle in Zukunft Gründer Horst Milde und der langjährige Marathon-Arzt Willi Heepe spielen sollen. Zum anderen hatte sich der Krach an einem nicht zustande gekommenen Geschäft entzündet. Der Aufsichtsrat hatte dem SC Charlottenburg (SCC) mit 5:1 Stimmen empfohlen, Michael Mronz als Vermarkter zu verpflichten. Mronz ist Geschäftsführer des Reitturniers CHIO in Aachen und hat in diesem Jahr dort auch die Weltreiterspiele mitveranstaltet. Der SCC, alleiniger Gesellschafter des Berlin-Marathons, lehnte eine Zusammenarbeit jedoch ab.

Mit dieser Entscheidung wollten sich einige Mitglieder des Aufsichtsrates nicht abfinden, und als der SCC dem Gremium auch noch eröffnete, den Aufsichtsrat in einen Beirat umzuwandeln, traten dessen Vorsitzender Heepe und sein Stellvertreter Günter Freye zurück. Freye, früherer Landesschatzmeister der FDP, bezeichnet die geplatzte Zusammenarbeit mit Mronz als „riesige Enttäuschung“. Der Berlin-Marathon sei Champions League, wie er behandelt werde, aber Kreisklasse. Der Verdacht liege nahe, dass die Vereinsführung des SCC nur ihren Einfluss sichern wollte. „Herr Mronz hat eine fantastische Vorstellung abgegeben, er hatte die Unterstützung von allen Mitgliedern des Aufsichtsrats mit Ausnahme des SCC-Vertreters.“ Im Aufsichtsrat sitzen auch Manfred von Richthofen, inzwischen Ehrenpräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, und Joachim Krannich, Referatsleiter Sport im Bundeskanzleramt. Während Richthofen mit den Veranstaltern vom SCC „nichts mehr zu tun haben“ möchte, äußert sich Krannich nicht öffentlich.

Rüdiger Otto, der Geschäftsführer des Berlin-Marathons, kann die Aufregung um die gescheiterte Zusammenarbeit mit Mronz nicht verstehen. „Man muss doch auch mal ein Nein nach einer Verhandlung akzeptieren.“ Die Pläne von Mronz seien ihm zu weit gegangen. „Das hätte die totale Vermarktung des Marathons durch Herrn Mronz und die totale Außendarstellung durch Herrn Mronz bedeutet.“ Dem entgegnet Mronz: „In unserem Gespräch ging es gar nicht um die Außendarstellung. Mein Verständnis ist außerdem immer, etwas gemeinsam zu entwickeln und umzusetzen und dadurch eine Veranstaltung weiterzubringen.“

Im vergangenen Jahr hatte die SCC Running GmbH, die auch den Marathon veranstaltet, einen Umsatz von acht Millionen Euro erwirtschaftet. Etwa ein Viertel stammt nach Ottos Angaben aus den Sponsoreneinnahmen.

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