• Machtwechsel in Berlin: Erfahren in den Regeln der Männerwirtschaft. Die Grünen nominieren Juliane Freifrau von Friesen als Kandidatin für das Wirtschaftsressort

Berlin : Machtwechsel in Berlin: Erfahren in den Regeln der Männerwirtschaft. Die Grünen nominieren Juliane Freifrau von Friesen als Kandidatin für das Wirtschaftsressort

Barbara Junge

Das grüne Kandidaten-Trio für die Neuwahl der Senatoren steht: Am Freitagabend hat der Grünen-Landesausschuss die parteilose Juliane Freifrau von Friesen in geheimer Abstimmung mit großer Mehrheit für das Amt der Wirtschaftssenatorin nominiert. Die 50-jährige kommt aus der Energiewirtschaft und leitet derzeit die Stabsabteilung Führungskräfte bei der Vereinigten Energiewerke AG (Veag). Dass ausgerechnet eine Managerin eines großen Braunkohle-Verstromers grüne Wirtschaftspolitik vertreten soll, weckte bei den Delegierten Zweifel. Zum Vorwurf mangelnder Parteinähe sagte Fraktionschef Wolfgang Wieland, dies sei auch ein Vorteil: "Wir kommen mit neuen Gesichtern". Große Zustimmung kam dagegen von den Vertreterinnen der Frauenpolitik der Grünen.

Juliane von Friesen kündigte an, bei der Vergabe öffentlicher Aufträge darauf zu achten, dass Betriebe mit einer funktionierenden Frauenförderung bevorzugt berücksichtigt werden sollen. Die Neubesetzung des BVG-Vorstandsvorsitzes biete die Chance, neue Verkehrskonzepte in Berlin umzusetzen. Zudem forderte sie, die Wertschöpfung der Bewag müsse unbedingt in Berlin gehalten werden. Zur Krise der Bankgesellschaft sagte sie, es müsse sicher gestellt werden, dass eine Kommission "unter Auschluss derjenigen, die das Desaster angerichtet haben" die Arbeit schnell aufnehme.

"Ich bin eine der insgesamt 1,1 Millionen Führungskräfte der deutschen Wirtschaft, und wäre ich ein Mann, würde kein Hahn nach mir krähen", hat Juliane Freifrau von Friesen einmal gesagt. Auch als Senatorin für Wirtschaft und Technologie kann sich die unabhängige Juristin einer gewissen Aufmerksamkeit sicher sein. Nicht nur, aber auch nicht zuletzt als Frau.

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TED: Soll der Regierende Bürgermeister direkt gewählt werden? Von der ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Deutschen Richterbundes, wo sie den Arbeitsstab Gleichstellung, Arbeits- und Wirtschaftsrecht leitet, ist zu erwarten, dass sie sich als Senatorin engagiert in die Wirtschaftspolitik der Stadt einbringen wird. Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes trainiert weibliche Nachwuchskräfte an Wirtschaftshochschulen und ist auch bei den Grünen als Podiumsteilnehmerin bei Debatten zur Gleichstellung gefragt.

Die studierte Juristin und Betriebswirtschaftlerin arbeitete zunächst als Assistentin an der Freien Universität, als Personalreferentin und dann als Hausjuristin in der freien Wirtschaft. Bei der Industrie- und Handelskammer sitzt sie dem Ausschuss Arbeitsmarkt und Sozialwirtschaft vor.

Die Geschlechterverhältnisse waren beim raschen Aufstieg stets ein Thema. "Für mein Vorwärtskommen war von entscheidender Bedeutung die Bereitschaft, die Spielregeln der Männergesellschaft im Unternehmen zu erkennen und sich ihrer zu bedienen", sagt Juliane von Friesen. Frauen, denen dies zuwider wäre, würden keinen Erfolg haben. Entsprechend kritisch betrachtet die Wirtschaftsfrau herkömmliche Frauenförderpläne, diese seien meistens Pläne zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ein für von Friesen nur mäßig erfolgversprechendes Rezept. "Ich selbst habe mich entschieden, einen Teil der Familienarbeit zu delegieren und anfangs auch durch Mehrarbeit zu finanzieren", bekennt die designierte Senatorin.

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