Berlin : Machtwechsel in der Jüdischen Gemeinde

Bei den Wahlen zur Repräsentantenversammlung in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat sich die Gruppierung mit den meisten sogenannten alteingesessenen Berliner Juden durchgesetzt: Das Wahlbündnis „Atid“ um Lala Süsskind, die frühere Vorsitzende der jüdischen Frauenorganisation „Wizo“, wird 13 der 21 Repräsentanten im Gemeindeparlament stellen. Lala Süsskind selbst erhielt 1569 Stimmen und hat damit große Chancen, neue Vorsitzende der mit 12 000 Mitgliedern größten jüdischen Gemeinde in Deutschland zu werden. Insgesamt waren 63 Kandidaten zur Wahl angetreten. Von 9694 Wahlberechtigten nahmen 3345, also 34,5 Prozent, an der Wahl teil.

Mit Beginn ihrer Arbeit im Januar möchte Süsskind zunächst eine Bilanz aufstellen, um einen Überblick über die finanzielle Situation der Gemeinde zu gewinnen. Zudem wolle „Atid“ wieder Ruhe in die zerstrittene Jüdische Gemeinde bringen. „Uns erwartet sehr viel Arbeit, aber wir sind ein Kompetenzteam, das mit einer geschlossenen Meinung antritt“, sagte Lala Süsskind am Montag. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, freute sich über den Ausgang der Wahl: „Jetzt wird wohl endlich auch eine Frau an der Spitze der größten jüdischen Gemeinde in Deutschland stehen.“

Überraschenderweise wird die Gruppe „Tachles“ um den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Arkadi Schneiderman keinen Repräsentanten im neuen Gemeindeparlament stellen. Dieses Ergebnis sorgt für Erleichterung bei vielen Gemeindemitgliedern, denn Schneiderman war bekannt für cholerische Ausfälle und für zahlreiche Streitereien. Arkadi Schneiderman selbst akzeptiert das schlechte Wahlergebnis nicht und wirft der Gruppe „Atid“ vor, gegen die Wahlordnung verstoßen zu haben. „Atid“ habe zudem den Namen von Michel Friedman im Wahlkampf öffentlichkeitswirksam ausgenutzt.

Der bisherige Gemeindevorsitzende Gideon Joffe landete mit 990 Stimmen auf Platz 17. Seine Wahlliste „Hillel“ stellt neben Joffe noch vier weitere Repräsentanten. Gideon Joffe gratulierte „Atid“ zum guten Wahlergebnis. „Der nächsten Vorsitzenden wünsche ich eine starke Hand. Denn unsere Gemeinde steht vor riesigen Problemen. Eines steht jetzt schon fest: Die nächste Zeit wird für sie ganz sicher kein Zuckerschlecken.“

Das insgesamt beste Ergebnis erhielt der frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Alexander Brenner, der als unabhängiger Kandidat antrat und 1628 Stimmen bekam. Brenner war zufrieden mit dem Ergebnis: „Ich hoffe, dass es eine Änderung zum Guten ist.“ Bisherige Differenzen in der Jüdischen Gemeinde seien vor allem auf persönliche Probleme zurückzuführen gewesen. Nun hoffe er, dass die Gruppe „Atid“ nicht „auseinanderfällt“. Zukünftig müsse eine bessere Integration der vielen Mitglieder aus der ehemaligen Sowjetunion ermöglicht werden. „Sie sind ein echter Gewinn für die Gemeinde“, sagte Brenner.

In spätestens vier Wochen werden die neuen Repräsentanten zu ihrer konstituierten Sitzung zusammenkommen. Dort soll dann ein neuer Vorstand gewählt werden, der auch den Nachfolger von Gideon Joffe als Vorsitzenden der Gemeinde stellt. clk/tja (mit dpa/ddp)

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