Madame Tussauds : Wowereit wachsweich

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit besucht heute sein Ebenbild bei Madame Tussauds. Währenddessen wird weiter darüber gestritten, ob die Hitler-Wachsfigur nach ihrer "Enthauptung" am Wochenende wieder aufgestellt wird.

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Vor Monaten wurde Klaus Wowereit millimetergenau vermessen, damit sein Wachs-Double ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. -Foto: promo

BerlinMit einem Besuch bei Madame Tussauds will Klaus Wowereit heute Vormittag seine Wachsfigur sozusagen ins Amt heben. Besucher werden während des für 11 Uhr geplanten Termins aber auf Abstand gehalten – es wird kein direkter Vergleich möglich sein, wer die bessere Figur macht, der Regierende Bürgermeister oder sein Doppelgänger.

Auf alle Fälle bleibt der Wachs-Wowereit länger als der echte – und lässt sich auch mehr gefallen: Besucher können sich mit ihm fotografieren lassen, ihm sogar die Wange tätscheln. "Gäste dürfen die Figuren bei uns in der Regel anfassen", sagt Marketingchefin Natalie Ruoß. Die Hitler-Figur sei die einzige gewesen, bei der dies nicht erlaubt sei. Ausgerechnet ihr hatte ein 41-jähriger Berliner am Sonnabend den Kopf abgerissen.

Der kaputte Hitler wird derzeit repariert und soll trotz Protesten wieder aufgestellt werden. Das Ausmaß des Schadens steht noch nicht fest, danach richte sich die Reparaturdauer, hieß es. Auch die Kosten lassen sich noch nicht beziffern. Eine neue Figur kostet rund 200.000 Euro, die Figuren sind versichert. Gegen den "Hitler-Attentäter" Frank L. wurde Strafanzeige erstattet. Ob man auch Schadensersatz verlangen wird, war noch nicht klar.

Holocaust-Überlebender gegen Wiederaufstellung der Hitler-Figur

Unterdessen zeigte sich der Holocaust-Überlebende und Gemeindeälteste der Jüdischen Gemeinde, Isaak Behar, "zutiefst verletzt" über die Aufstellung Hitlers. Der 84-Jährige, der als einziger seiner direkten Familie dem Holocaust entkam, erwägt jetzt, aus Protest das Bundesverdienstkreuz oder den Verdienstorden des Landes Berlin zurückzugeben. Die Politiker hätten die Pflicht, die Zurschaustellung des Massenmörders zu verhindern – zumal in Sichtweite des Holocaust-Mahnmals. "Wenn jetzt der Einwand kommt, das könne man nicht, ist das bloß ein Vorwand", sagte Behar. Wer wolle ausschließen, dass Madame Tussauds zum Wallfahrtsort für Rechtsextreme werde? Man dürfe nicht um jeden Preis versuchen, Attraktionen nach Berlin zu holen. Seit 16 Jahren kommt Behar regelmäßig als Zeitzeuge zu Projekttagen an die Berliner Polizeischule, um über die Verfolgung im Nationalsozialismus zu berichten. fk/sik

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