Berlin : „Made in Berlin“ verkauft sich besser

Wenn Firmen aus der Medienbranche wie MTV hierher ziehen, dann wollen sie auch vom Mythos der Stadt profitieren

Björn Seeling

Enrique Iglesias kann künftig zu Fuß gehen, wenn nach einem Termin bei seiner Plattenfirma noch ins Fernsehstudio will. Schließlich werden, wie berichtet, Universal Music und der Musiksender Nachbarn nahe der Oberbaumbrücke. „Wenn ich daran denke, wie viele Künstler wir noch nach München fliegen lassen – und bald brauchen wir nicht einmal ein Taxi“, sagt Universal-Sprecherin Sophie Greiner. Berlin ist trotz seiner Größe eine Stadt der kurzen Wege, weil wichtige Institutionen hierher ziehen. In der Musikbranche zum Beispiel ist das weniger MTV als der Phonoverband. Er vertritt die Interessen der Plattenfirmen, eröffnet demnächst seine Dependance in Berlin - weil die Regierung und andere Interessenverbände schon hier sind. „Mein Kollege Tim Renner von Universal und ich haben uns lange dafür engagiert“, sagt Balthasar Schramm, der Deutschland-Chef von Sonymusic. Schramms Firma gehörte zu den ersten der Branche, die den Umzug nach Berlin wagten. Nun sitzt sie mit 400 Leuten im Sony-Center am Potsdamer Platz – und will entgegen allen Gerüchten auch nicht mehr weg. „In der Sony-Zentrale in Tokio hat man rechtzeitig erkannt, dass Berlin eine der zentralen Metropolen in Europa wird“, lobt Schramm seine obersten Bosse. Deshalb sei auch die Entscheidung für die Investition am Potsdamer Platz gefallen. Dabei habe natürlich eine Rolle gespielt, dass die deutsche Hauptstadt weltweit ein Begriff sei. „Es ist schon ein ganz anderes Auftreten, wenn man bei Verhandlungen in Los Angeles sagt, man komme aus Berlin“, sagt der Sony-Manager. Er wünscht sich zudem, dass noch mehr internationale Branchengrößen in die Stadt ziehen. „Berlin ist eine großartige Bühne für Global Player.“

Doch nicht nur in der Ferne hat Berlin einen Ruf wie Donnerhall, wie Fitz Braum bestätigt. Der 45-Jährige ist Chef der Plattenfirma Fourmusic, die vor kurzem Stuttgart den Rücken kehrte und nun mit 20 Mitarbeitern in Kreuzberg residiert. Unter anderen Künstlern sind dort die Fanta 4 unter Vertrag. „Ewig hieß es, die Fanta 4 sind ja eh nur Musiker aus Stuttgart“, sagt Braum. Allerdings hat es über fünf Jahre gedauert, die Truppe von Berlin zu überzeugen. Und wie hat er es geschafft? „Das war am Ende nicht allzu schwierig. Wir hatten das Gefühl, dass uns die Felle davonschwammen, weil in Stuttgart nichts passierte. Wir wollten andere Einflüsse.“ Bei Universal formuliert man das so: „Die Szene ist lebendiger als je zuvor. Berlin ist Deutschlands musikalisches Epizentrum – als kreative Firma müssen wir da sein, wo die Musik spielt.“

Bei Fourmusic waren davon alle Mitarbeiter überzeugt, denn sie zogen vollzählig um. Das war bei den Riesen anders. 40 Prozent wollten bei Universal nicht mit. Bei Sonymusic waren es sogar über 60 Prozent der Mitarbeiter, die aber durch Personal aus der Region ersetzt wurden. Schließlich gilt Berlin als „Capital of talent“: Es gibt 14000 Studenten in 35 Studiengängen mit den Schwerpunkten Kommunikation und Medien. Freie Auswahl für die Global Player .

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