Berlin : Madonna: Mit der Malerfolie zum Konzert

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Dreißig Fans stehen in der Sonne, stehen im Regen, stehen wieder in der Sonne. Das ist ihnen egal. Sie wollen gute Plätze, sie wollen Madonna sehen, und deshalb kampieren sie am Freitagmittag, sechs Stunden vor Einlass, am Eingang der Max-Schmeling-Halle im Prenzlauer Berg. Sie haben eine große, durchsichtige Folie dabei: So eine, wie man sie eigentlich beim Malern benutzt, um den Fußboden vor Farbe zu schützen. Beim nächsten Schauer werden sie sich wieder darunter verkriechen.

Zum Thema Online Spezial: Madonna in concert Heute, am Samstagabend um sechs, werden die Stahltüren an der Nordseite der Max-Schmeling-Halle das letzte Mal geöffnet, um 11 000 Menschen hineinzulassen zu dem Weltstar. Wer nicht reinkommt, kann am Türspalt lauschen - der Gesang und das Johlen des Publikums sind deutlich zu hören. "Täglich rufen etwa hundert Leute an und fragen nach Karten", sagt Sandra Fabian vom Hallenbetreiber Velomax. Obwohl nur drei Mitarbeiter an der Kasse arbeiteten, sei das kein Problem, zumindest für die Ticketverkäufer nicht. Denn zu vergeben haben sie nichts mehr: Seit Mittwochmittag sind alle Karten weg. Vor der Halle aber warten immer noch Ticket-Dealer.

Madonna-Fans seien diszipliniert, sagt Sandra Fabian. Bisher hätte niemand aggressiv versucht, auf die Bühne zu gelangen. Wegen der hohen Sicherheitsstandards - außerhalb der Halle müsse viel abgesperrt werden - gebe es mehr Ordner als bei anderen Konzerten in der Max-Schmeling-Halle, insgesamt 150. Alles verlaufe nach Plan, alles sei gut, nur eines wurmt Sandra Fabian etwas: Die Frau, für die sie täglich arbeitet, hat sie kein einziges Mal begrüßen können. "Madonna kommt kurz vor dem Konzert und geht danach gleich wieder", sagt sie. Am Donnerstag, dem konzertfreien Tag, hatte Madonna sich unters Volk gewagt: Sie besuchte mit ihrer Freundin Gwyneth Paltrow die Ernst-Ludwig-Kirchner-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie und die "Topographie des Terrors". Vor dem Start im Hotel "Four Seasons" kamen sich Madonna und Columbia-Geschäftsführer Jürgen Schau nahe: Ihr Van und sein 7-er BMW standen sich in der Tiefgarage im Weg. Letztlich gab Jürgen Schau nach, setzte zurück und fuhr woanders entlang. Ob das die vielen Fans mitbekommen haben, die noch immer vorm Hotel lagern? Am Abend, nach dem Sushi-Essen im Hotel Hyatt, schenkte ihr die Hoteldirektion ein Buch über die Stadt - für einen literarischen Berlin-Bummel ohne Leibwächter.

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