Berlin : Madonnas erste Wahl

Die Pop-Queen wünschte sich den Dudelsack-Hit „Highland Cathedral“ zur Hochzeit. Dabei stammt die schottische Melodie aus Berlin. Beim Militärmusikfest ist sie wieder zu hören

Lars von Törne

Wenn Michael Korb zum Dudelsack greift, weiß „Falco“ schon, was gleich kommt. Rasch flüchtet sich der Hund hinter den Tresen. Sofort ist die kleine Kneipe von Korb erfüllt von einem Brummton, der alles zum Vibrieren bringt. Darüber legt sich die durchdringende, melancholische Melodie der Schalmei, die Assoziationen von saftigen schottischen Wiesen und rauen Klippen auslöst. „Highland Cathedral“ ist ein Dudelsack-Klassiker, den fast jeder schon mal gehört hat – und den man zweifellos für schottisch halten würde. Dabei stammt die inzwischen hundertfach nachgespielte und neu interpretierte Melodie nicht aus den Highlands, sondern aus Berlin-Wannsee. Komponiert hat sie der Dudelsackspieler Michael Korb, gemeinsam mit dem 1997 gestorbenen Arrangeur und Produzenten Uli Roever.

Seine Liebe zum Dudelsack entdeckte Korb als Jugendlicher. „Der exotische Klang hat mich schon immer fasziniert“, erzählt der braun gebrannte, drahtige 45-Jährige. Als er nach der Schule vor 25 Jahren aus Düsseldorf nach Berlin kam, studierte er Malerei und baute mit seinem Vater die Galerie-Kneipe „Blaue Kuh“ in Wannsee auf, die er bis heute betreibt. Aber vor allem nahm er Dudelsackunterricht beim „Pipe Major“, dem Kapellmeister des schottischen Bataillons „Kings Own Scottish Borderers“, die in Spandau stationiert waren. Später reiste er nach Edinburgh und nahm Unterricht bei dem 80-jährigen Meister Paddy Atkinson. 1979 lernte er Uli Roever kennen, gemeinsam veröffentlichten sie ein paar mäßig erfolgreiche Dudelsack-Singles im Disco-Stil.

Was dann passierte, kann Michael Korb bis heute manchmal noch nicht ganz glauben. Aus einem Motiv, das er sich ausgedacht hatte, entwickelten die beiden im Studio ein Lied. Der Titel hat nichts mit einer echten schottischen Kathedrale zu tun, sondern war ein Einfall von Roevers Frau. Nachdem „Highland Cathedral“ als Single erschienen war, fragten schottische Bands, ob sie das Lied nachspielen könnten. Damit begann der langsame Siegeszug der Melodie. Inzwischen wurde sie rund 100 Mal von anderen Künstlern auf Platten und CDs verewigt.

Während Michael Korb das erzählt, holt er einen Stapel CDs unterm Tresen hervor und legt eine nach der anderen ein: „Highland Cathedral“ als mit Geigen unterlegtes Klassik-Stück, als deutscher Schlager oder als Weihnachtslied. Am Schluss spielt Korb eine CD ab, die kommende Woche erscheint. Am 11.11. bringen die rheinischen Frohnaturen von Bläck Föös die vorerst letzte Version heraus: Als Hymne an Köln mit dem Titel „Du…bes die Stadt“. Gerührt lauscht Michael Korb dem Gesang der Kölner. „Das geht einem schon ans Herz“, sagt er. Und dann erzählt er mit leuchtenden Augen von Großveranstaltungen mit Militärkapellen wie dem Edinburgh Military Tattoo, bei denen sein Lied gespielt wurde, von Dudelsack-Konzerten und der Gesangsaufführung der Melodie vor einem Jahr in der Londoner Royal Albert Hall – in Anwesenheit der Queen. „Das Lied ist eine Wundertüte, wo immer wieder etwas Neues herauskommt.“

Den ganz großen Auftrieb brachte vor acht Jahren Hugh Grant mit seiner Erfolgskomödie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“. Dort spielt ein Dudelsackspieler vor der Kirche Korbs Lied. „Seitdem wird Highland Cathedral in Schottland häufig bei Hochzeiten und Beerdigungen gespielt“, sagt Korb. Vor zwei Jahren wählte auch Pop-Queen Madonna das Lied für ihre Hochzeit aus. Ob sie wusste, dass die Melodie, zu der sie sich im schottischen Dornoch trauen ließ, aus Berlin stammt? In einer Zeitung hieß es damals, Madonna habe sich statt des traditionellen Hochzeitsmarsches „die schottische Volksweise Highland Cathedral“ ausgesucht. Jetzt hofft Michael Korb, dass der Erfolg seiner Melodie ihm hilft, auch jenseits von „Highland Cathedral“ als Komponist Erfolg zu haben. In Eigenregie hat er eine CD mit Popsongs aufgenommen, für die er einen Verleger sucht. Denn trotz Tantiemen kann er von der Musik nicht leben. „Ich stehe noch täglich hinterm Tresen und zapfe Bier.“

„Highland Cathedral“ wird heute und morgen beim Berliner Militärmusikfest in der Max-Schmeling-Halle gespielt. 800 Musiker aus aller Welt treten dort auf. Es gibt Restkarten für heute, 20 Uhr, und morgen, 15 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben